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Funktionen der Synonyme

1) Die im gleichen Text auftretenden Synonyme heben jeweils unterschiedliche Merkmale hervor. Durch Motivbedeutungen können andere Aspekte des Benann­ten ins Blickfeld rücken. Wenn auch durch Idiomatisierung und Lexikalisierung die gleiche denotative Bedeutung entsteht, können sich die Lexeme im Nebensinn (erdmann), den von den Motivbedeutungen getragenen assoziativen Potenzen, unterscheiden (vgl. 5.3.). Löwenzahn, Pusteblume, Kuhblume, Milchstengel sind synonym. Die Benennungsmotive bringen Merkmale des gleichen Denotats ein: Löwenzahn wird im WDG erklärt als „zur Familie der Korbblütler gehörende Wiesenblume mit grob gezähnten grünen Blättern und einem einzigen Kopf aus schmalen, leuchtend gelben Blütenblättern, der nach dem Verblühen das Aussehen einer federigen Kugel annimmt". Die Definition enthält nicht alle Merkmale, die in den Synonymen verbalisiert sind: ,Kuh' deutet auf Futterpflanze, ,Milch' auf den Milchsaft im Stengel. Aber die Aussageintention wird durch den Einsatz des Syn­onyms verdeutlicht: „Die ganze Wiese war gelb vom Löwenzahn, den Pusteblumen der Kindheit."

2) Die Wahl eines Synonyms wird vom Bestreben gesteuert, das „treffende Wort" auszuwählen. gauger (1972) bemerkt dazu, dass es zwischen Synonymen Unter­schiede des „Treffens" oder des „Verfehlens" gibt, die von einem Fast-Ebenso bis zu einem Gerade-Noch reichen. Diese Wahl treffen wir mehr oder weniger unbe­wußt. Erst im synonymischen Kontext treten die Merkmale hervor, die unter be­stimmten Bedingungen als die wichtigsten gelten können. Wenn wir kommunizie­ren, sind solche synonymischen Hervorhebungen Mittel des Korrigierens, Betonens, der Steigerung oder Abschwächung. Gerade diese Aussageabsichten begrün­den die Bedeutung synonymischer Wiederaufnahme im Text.

Aspektbetonung: „Und was an pädagogischer Führung seitens des Lehrers oder Erziehers nicht kommt, das findet eben durch Gleichaltrige statt... Das ist doch auch , Führung'. Zwar keine bewusste, gezielte, aber es findet eine Führung im Sinne von Beeinflussung, Lenkung statt" (HÖPCKE, Weltbühne). Führung, Beein­flussung, Lenkung sind Synonyme. Zurückgenommen wird das Element der Bewusstheit, betont das der Wirkung.

Steigerung: Die Tatsache, dass es Widersprüche, Kollisionen, Konflikte gibt..." (ebenda). Kollision und Konflikt drücken eine Vertiefung des Widerspruchs aus, haben im Text steigernde Funktion. Das Synonymwörterbuch verzeichnet bei Konflikt und Kollision jeweils Zwiespalt, das WDG gibt als synonymische Erklä­rung bei Konflikt „innerer Widerstreit, Zwiespalt", bei Kollision „Widerstreit, Zwiespalt", bei Widerspruch „Gegensatz." an.

Erläuterung: Lexeme können kompatibel, d. h. vereinbar sein. Ist der Autor der Meinung, dass ein Wort, vielleicht ein Fachwort, einer Erläuterung bedarf, verwendet er ein erläuterndes Synonym. Die Erklärung oder Erläuterung kann auch durch d. h., wie man sagt oder ähnliche Wörter angeschlossen werden.



3) Schließlich kann das Synonym stärkere gefühlsmäßige Beteiligung, Emotionalität oder Wertung ausdrücken. Das träfe für die Wiederaufnahme von Buch durch Schwarte, von lesen durch schmökern, von Rede durch Pamphlet zu. Gerade im letzten Fall muss ein synonymischer Kontext nicht aktualisiert, d.h., im gegebe­nen Text muss keine Vorerwähnung des Benannten erfolgt sein. Das konnotativ markierte Wort wird auf dem Hintergrund des mitgedachten neutralen Wortes rezipiert. In den letzten Jahren greift man wieder verstärkt auf bühlers Organon-Modell zurück und spricht von symbol-, Symptom- und signalfunktionalem Ge­brauch der Wörter (vgl. reichmann 1976, wahrig 1973, kühn 1979).

Von den grundlegenden kommunikativen Funktionen des sprachlichen Zeichens ausgehend, Mittel zu sein, etwas darzustellen, zu beschreiben, mitzuteilen, etwas emotional beteiligt auszudrücken, sich selbst darzustellen und auf den Partner ein­zuwirken, kann man auch die Funktionen synonymischer Lexeme beschreiben. Lexeme können als Synonyme in verschiedenen funktionalen Beziehungen zuein­ander stehen. kühn (1979, 4) bestimmt daher im Anschluß an baumgärtner 1967, wiegand 1970, henne 1972, reichmann 1976 und lyons Synonymie:

Dies bedeutet, dass Synonyme in Kontexten kommutierbar sind, ohne dass sich der Symbol­gehalt dieser Kontexte ändert. Mein Vater kauft die Wurst beim Schlachter, Metzger, Sel­cher. .. Es handelt sich genau dann um synonyme lexikalische Signeme, wenn diese sym­bolfunktional in freier Distribution stehen und in Bezug auf ihre Symptom- und Signalfunk­tion differieren. Nach diesen Merkmalen lässt sich für die semantische Relation ,Synony­mie' folgende operationale Definition angeben: In einem onomasiologischen Paradigma besteht zwischen zwei Lexemen A und B des gleichen Sprachsystems die semantische Struktur der Synonymie, wenn ihre Semsumme identische symbolfunktionale aber differie­rende signal- bzw. symptomfunktionale Seme aufweisen (1979, 84).

Allerdings, und das scheint im Sinne einer funktionalen Sprachbetrachtung wichtig, können sich auch die sogenannten symbolfunktionalen Semstrukturen unterschei­den.

Synonyme stehen eigentlich im Widerspruch zur Sprachökonomie, dienen aber häufig neben der Ausdrucksvariation der Verhüllung, Beschönigung (Euphemismen) und der Ausdrucksver­stärkung.

 


Date: 2015-12-24; view: 885


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