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Metonymie und ihre Arten

 

Unter Metonymie(aus griech. „Umbenennung“) versteht man die Übertragung der Namenbezeichnung von einem Gegenstand auf einen anderen aufgrund eines räumlichen, zeitlichen, stofflichen oder kausalen Verhältnisses zwischen ihnen.

Nach der Anwendung dieser Übertragung unterscheidet man: die po­etische und lexikalische Metonymien.

Poetische Metonymie erscheint in den litera­rischen Texten, wobei einige ihrer Autoren bekannt sind (schwarze Röcke, seidne Strümpfe: ,Menschen' nach H. Heine). Die lexikalische Metonymie ist im Alltag gebräuchlich.

Nach ihrem Charakter unterscheidet man nach der ergänzten Klassi­fikation von Levickij (1970) folgende Abarten der Namensübertragungen:

 

• aufgrund der Beziehung zwischen dem Ganzen und seinem Teil, die auch unter der Bezeichnung Synekdoche bekannt ist.

Diese Übertragung kann zweifach erfolgen:

1) der Teil für das Ganze: mein Fuß wird dein Haus niemals betreten; er ist ein kluger Kopf.

Vielen Idiomen liegt diese Erscheinung zugrunde: ich bin ganz Auge / Ohr; jemand an der Nase herumführen etc.;

2) das Ganze für den Teil: die ganze Welt spricht davon;

 

• vom Raumauf die sich dort befindenden Personen (Die ganze Stadt spricht davon; das ganze Auditorium hört dem Lektor aufmerksam zu);

• vom Behälter auf seinen Inhalt (ich trinke eine Flasche statt Bier; ich esse noch einen Teller statt Suppe) und umgekehrt Inhalt statt Gefäß (Der Wein steht im Keller; der Wodka ist schon auf dem Tisch);

vonder Handlung auf ihr Resultat (Arbeit, Übersetzung „als Prozess“ und „Resultat“);

 

• vondem Stoff auf den Gegenstand, der daraus hergestellt wird (die Brille - aus Berüll);

• von einer Maßnahme auf die ganze Veranstaltung (er geht heute Abend zum Cocktail „Mischgetränk“ statt „Cocktail-Party“). Dasselbe betrifft auch: zur Pizza; Barbecu. Diese Übertragung ist eine Folge der Ellipse;

 

• von einer Stoffbezeichnung auf die Bezeichnung der Produkte aus diesem Stoff (sie trägt Seide, Samt, Baumwolle gern). Dazu gehört auch die Namensübertragung von einer Tierbezeichnung auf Pelzbezeichnungen (sie trägt einen Blaufuchs, Marder, Zobel, Hermlin);

 

von einem Kleidungsstück auf einen Körperteil (Sohle bezeichnete zu­erst den unteren Teil des Fußes) und umgekehrt (Kragen bedeutete früher „Hals“, vgl. er riskierte Kopf und Kragen);

 

vonder Ortsbenennung auf die hiesigen Einwohner (Czernowitz ist in­teressiert daran);

• vonder Ortsbenennung auf die sich befindliche Institution (Regierung) (Washington meint dazu...; Bonn protestiert in Bagdad); Institutionstatt Ort (er ist in den Kreml zurückgekehrt);

 

vom Namen des Schöpfers auf sein Werk (Ohm, Newton und Pascal als Maßeinheiten; Diesel als Typ der Motoren; vgl. Kalaschnikow; Ford) etc.;

 

vomAutor auf sein Schriftwerk (er liest ja gerne Goethe, Schiller);



Nach der Motivation unterscheidet man lebendige, verblasste und tote Metonymien:

- eine lebendigeMetonymie ist eine Übertragung, die im Bewusstsein der Sprecher die Assoziation deutlich hervorruft (Glas als „Stoffart“ und „Behälter“);

- eine verblassteMetonymie ist eine noch rekonstruierbare Übertra­gung, bei der aber der innere Zusammenhang zwischen der übertragenen und der direkten Bedeutung nicht mehr so klar ist (Kaffee als „Getränk“ und „Kaffeekörner“);

- toteMetonymien sind verblasste Übertragungen, deren Urbedeutung nur durch eine spezielle kulturologische oder etymologische Untersuchung zu rekonstruieren ist (Röntgen als Erfinder und „Typ der Bestrahlung“; Per­son als griech. „Maske“; Brille aus "Beryllum", das zur Herstellung der er­sten Brillen diente).

5.4. Bedeutungsverschiebungen: Wertsteigerung und Wertverminderung

Der BW lässt sich einerseits subjektiv und objektiv, andererseits nach seiner Benutzung in den Tropen einschätzen.

Subjektiv, d.h. durch die Wahr­nehmung der Sprecher wird er als Wertsteigerung und Wertverminderung bezeichnet.

Wertsteigerungist ein Prozess, demzufolge das Wort (nach den Einschätzungen des Kommunizierenden) einen besseren, positiven Status im Gebrauch der Sprachgemeinschaft bekommt, z.B.

Marschall (jetzt „der höchste Offizier der Armee“) bezeichnete früher einen „Pferdeknecht“;

Minister (jetzt „Mitglied der Regierung“) bedeutete früher „der Kleinste (Diener)“);

mhd. toll "törricht, verrückt“ wurde im 18. Jh. schon zu „erstaunlich“ und im 20Jh. zu „großartig“;

Stof urspr. „Kleiderstoff“ hat heute zu dieser Bedeutung noch eine „Material, Materie“ bekommen (Stoff eines Dramas, Stof, zum Lachen, tierischer Stof, usw.).;

Wertverminderung ist ein Prozess, demzufolge das Wort (nach den Einschätzungen des Beobachters) eine negative Bedeutung infolge einer gesellschaftlichen Abwertung des Designats bekommt, z.B.

fahren bezeichnete früher jede Art der Fortbewegung (gehen, laufen, reiten usw.), jetzt nur Fortbewegung mit dem Wa­gen, Schiff usw.

ledig urspr. „beweglich“, „nicht behindert“, „frei“, heute „unverheiratet“ (d. h. „frei von einer ehelichen Bindung“).

Stube urspr. „Heizvorrichtung für ein warmes Bad“, dann „ein mit dieser Vorrichtung versehenes Badezimmer“, später „ein heizbares Zimmer“ und letzten Endes ein „Zimmer“ überhaupt.


Date: 2015-12-17; view: 1580


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