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Existenzformen der Sprache

Als Wortschatz (Lexik, auch Vokabular oder Lexik(on)) bezeichnet man:

- die Gesamtheit aller Wörter einer Sprache zu einem bestimmten Zeitpunkt;

- die Gesamtheit aller Wörter einer Sprache, die ein einzelner Sprecher kennt oder verwendet. Man unterscheidet in dieser Bedeutung zwischen passivem (präziser: rezeptivem) und aktivem (präziser: produktivem) Wortschatz;

- die Gesamtheit oder der Gesamtbestand der Wörter einer Sprache, ihr lexikalisches Potential, das durch Wörterbücher verschiedener Art erfasst wird, ein Schatz von Begriffen, Gedanken, Anschauungen, Ideen und Empfindungen.

Der rezeptive Wortschatz wird vom Sinn her verstanden, wird jedoch nicht aktiv verwendet.

Der produktive Wortschatz wird auch beim Sprechen benutzt, seine Einsatzmöglichkeiten sind so weit bekannt, dass sinnvolle verständliche Sätze damit geformt werden können.

Der Gesamtwortschatz der Standardsprache wird auf ca. 300 bis 400 Tausend Wörter geschätzt; es gibt auch aber Fachwortschätze, die allein schon ca. 500 Tausend Fachwörter enthalten. Ein gebildeter Mensch beherrscht aber nur ca. 50 Tausend Wörter. Fast die Hälfte des Gesamtwortschatzes kommt nur selten oder sehr selten vor.

In etwa gilt: Je höher der Bildungsstand eines Menschen ist, desto größer ist sein Wortschatz. Ein größerer Wortschatz hilft beim differenzierteren Informationsaustausch. Einfache Boulevardzeitungen nutzen einen Wortschatz von etwa 400 Wörtern, intellektuelle Tageszeitungen dagegen einen Wortschatz von etwa 5.000 Wörtern. Ähnlich kann man Fernsehsendungen kategorisieren. Der Wortschatz einer Person ist vom Interessensgebiet und Berufsfeld (Fachterminologie) sowie der Sozialisation dieser Person abhängig.

Der Wortschatz einer Sprache ist ein offenes, d. h. ein quantitativ prinzipiell unbegrenztes und ein qualitativ funktionales und flexibles Inventar von Lexemen, das als strukturiert, intern differenziert und systemartig organisiert aufgefasst wird (Annahme strukturierter Heterogenität). Der Wortschatz befindet sich in ständiger Veränderung, indem er sich der Dynamik kommunikativer und kognitiver Bedürfnisse anpasst; er ist das beweglichste Teilsystem einer Sprache. Die Grundeinheit des Wortschatzes ist das Wort. Die Begründung und Planung der Materialsammlung bzw. der Erhebung eines Wortschatzes, die Art und Weise der Zusammenstellung und Anordnung sowie die innere Klassifikation des Wortschatzes sind Aufgaben der Lexikographie und der Lexikologie.

Als komplexes und varietätenreiches Teilsystem konstituiert der Wortschatz einer Sprache sich seinerseits aus verschiedenen miteinander verbundenen Teilsystemen historischer, regionaler, funktionaler u. . Art; der Wortschatz verfügt über eine Schichtung, eine Gliederung in Bereiche und Funktionen und eine Struktur auf der Grundlage paradigmatischer und syntagmatischer Beziehungen. Im Sinne eines synchronen Schnitts kann man auch vom Kernbereich eines Wortschatzes als gemein- oder standardsprachlichen Wortschatz sprechen, an den sich als für bestimmte Interaktionen typische bzw. konventionalisierte Register anlagern:



- Fachwortschatz mit terminologischem Zentrum;

- regionalspezifischer oder dialektaler Wortschatz (Mundarten, nationale Varianten einer Sprache);

- soziolektaler Wortschatz oder gruppenspezifischer Wortschatz mit abgrenzender und distanzierender sowie solidarisierender und innenstabilisierender Funktion (auch altersspezifische Wortschatz);

- individualer Wortschatz - Wortschatz bestimmter Autoren, Texte oder Textsorten). Dabei können sich Schichtungen durch Archaismen und Neologismen, aber auch durch Lexeme mit konnotativen Merkmalen ergeben;

- aus historischer Sicht ergebe sich eine Gliederung des Wortschatzes nach Erbwörtern, Lehnwörtern und Fremdwörtern;

- unter funktionalem und pragmatischem Aspekt (Sprache ist final und erfüllt als System bestimmte Funktionen . Coseriu) erscheint der Wortschatz als Instrument, mit dessen Hilfe Situationen bewältigt und Intentionen realisiert werden: Staatssprache, Amtssprache, Schriftsprache, Fremdsprache, Minderheitssprache, Literatursprache, Umgangssprache;

- nach den von den Wörtern bezeichneten außersprachlichen Fakten in Sachgruppen;

- nach den zwischen Wörtern bzw. Wortgruppen bestehenden semantischen Relationen wie Synonymie, Antonymie;

- nach der Bildungsart: Ableitungen, Zusammensetzungen, Abkürzungen usw.



Date: 2015-12-17; view: 1001


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