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Die Kategorie des Kasus.

Jeder Kasus ist vieldeutig, doch ist immer eine Bedeutung die wichtigste, die anderen sind Nebenbedeutungen. Die Kasus dienen zum Ausdruck der syntaktischen Beziehungen zwischen den nominalen Satzgliedern und dem Prädikat des Satzes. Der Kasus kann abhängig von einer anderen Wortform oder unabhängig als freier Kasus verwendet werden.

Der Nominativ

Der Nominativ ist der direkte Kasus, die Ausgangsform der Deklination. Syntaktisch unabhängig tritt der Nominativ in folgenden Funktionen auf.

1. Die Hauptfunktion (d.h. primäre Funktion) des Nominativs als Satzglied ist die Funktion des Satzsubjekts: Die Schüler fragen. Alle anderen Funktionen sind sekundär.

2. Der Benennungsnominativ ist die Wortform, in der die Substantive als Stichwörter in ein Wörterbuch aufgenommen werden.

3. Der Vorstellungsnominativ ist eine stilistische Figur (die Prolepse), eines im weiteren genannten Satzgliedes: Eine schwere, tiefe Trauer, sie erfüllt mein Herz.

4. Der vokativische Nominativ (der Anredenominativ): Karl! Karl, komm!

5. Der emotionale Nominativ wird als Ausdruck der Gemütsbewegungen gebraucht: Donnerwetter!

Zum Subjektnominativ kommt im Satz häufig ein zweiter Nominativ hinzu, der mit dem Subjekt kongruiert:

a) das Prädikatsnomen: Petra ist ein schönes Mädchen;

b) das prädikative Attribut: Als junges Mädchen verließ sie ihre Heimat.

c) Die Apposition: Seine Schwester, Helga Schmidt, ein hübsches junges Mädchen, noch nicht siebzehn, ein bisschen mager, saß vor dem Klavier.

d) Das Adverbiale des Vergleichs: Du benimmst dich wie ein Junge.

Der Genitiv

Die Hauptfunktion ist die Funktion des Attributs. Man unterscheidet in der traditionellen Grammatik folgende Bedeutungen des Genitivs:

1) Genitiv des Besitzes oder der Zugehörigkeit (genitivus possessivus): das Heft des Schülers, der Sohn eines Arbeiters, die Tapferkeit des Soldaten;

2) Genitiv der Eigenschaft (genitivus qualitatis): der Mann der Wissenschaft, die Menschen guten Willens;

3) Genitiv der Identität oder der erläuternde Genitiv (genitivus explicativus): das Gefühl der Sicherheit, die Freude des Wiedersehens;

4) Genitiv des Subjekts (genitivus subjectivus). Er tritt an Verbalsubstantive und bezeichnet das Agens der Handlung: das Weinen des Kindes;

5) Genitiv des Objekts (genitivus objectivus). Er wird mit Verbalsubstantiven gebraucht und bezeichnet das Patiens der Handlung: die Besprechung eines Problems;

6) der partitive Genitiv (Genitiv der Teilung, genitivus partitivus) verbindet sich nicht nur mit Substantiven, sondern auch mit verschiedenen nominalen Wortarten (Zahlwörter, Adjektive, Pronomen): die Hälfte des Verdienstes, ein Teil der Arbeit;

7) der quantitative Genitiv (genitivus quantitatis) ist mit dem partitiven Genitiv nahe verwandt. Er bezeichnet oft etwas stoffliches: die Gesamtheit der Bürger, eine Schar fröhlicher Kinder.



Die sekundäre syntaktische Funktion des Genitivs ist die Funktion des Objekts. Der Gebrauch der Genitivobjekte ist in der deutschen Sprache auf eine kleine Gruppe von Verben beschränkt, die gebräuchlichsten davon sind: anklagen, beschuldigen, überweisen, überführen, lossprechen usw.: j-n eines Verbrechens anklagen. Als sekundäre syntaktische Funktion des Genitivs erscheint auch sein adverbialer Gebrauch, d.h. der reine Genitiv ist ein Adverbiale: eines Tages, geh deines Weges, schnellen Schrittes.

Der Akkusativ

Die primäre syntaktische Funktion des Akkusativs ist die Bezeichnung des direkten Objekts. Das direkte Objekt ist immer eine Ergänzung der transitiven Verben. Es steht als obligatorischer Aktant (Er bekommt einen Brief) oder als fakultativer Aktant (Er liest einen Brief).

Die sekundären Funktionen des reinen Akkusativs sind verschiedene Umstandsergänzungen:

a) temporale Umstandsergänzung: Ich wohne hier einen Monat;

b) lokale Umstandsergänzung: Er ging die Strasse entlang;

c) Umstandsergänzungen des Maßes oder des Wertes: Diese Frau war zwei Mäher wert.

Als freie Angabe kann auch die Struktur „der absolute Akkusativ“ betrachtet werden. Diese zweigliedrige Struktur wird von keinem Satzglied regiert, sie steht frei und unabhängig im Satz: Er trat ein, den Hut in der Hand. Er stand, den Blick in die Ferne.

Der Dativ

Die primäre syntaktische Funktion des reinen Dativs wie des Akkusativs ist die des Objekts. Den Bedeutungsunterschied zwischen Akkusativ und Dativ gibt die traditionelle Grammatik in den Termini direktes Objekt (Akkusativobjekt) und indirektes Objekt (Dativobjekt) wieder.

Eine Sonderart des Dativobjekts ist der sog. freie Dativ. Der freie Dativ bezeichnet die Person, die an der Handlung interessiert ist (daher wird er auch der Dativ des Interesses genannt). Der freie Dativ zum Unterschied von dem notwendigen Dativobjekt ist nicht unbedingt erforderlich: Er ähnelt seinem Vater (notwendiges Dativobjekt) / Wie herrlich leuchtet mir die Natur (freier Dativ) – Goethe.

Im Rahmen des freien Dativs unterscheidet man nach der Bedeutung:

a) dativus commodi und incommodi – sie bezeichnen die Person, für die das Geschehen günstig oder ungünstig ist: Die Mutter bürstet dem Sohn den Mantel;

b) dativus sympatheticus bezeichnet die interessierte Person, zu der das Subjekt oder das Objekt des Satzes im Verhältnis der Zugehörigkeit stehen: Dem Nachbar Gleimer sind erst gestern wieder ein paar Knechte fortgegangen (Rosegger);

c) dativus ethicus – gewöhnlich Dativ der 1. oder 2. Person der Personalpronomen – bezeichnet die Interessiertheit des Sprechenden am Geschehen: Komm mir rechtzeitig nach Hause!

 


Date: 2015-12-11; view: 1523


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III. Strukturell-semantische Subklassen der Substantive. | Die Phoneme des Deutschen
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