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Gruppenspezifische Wortschätze

 

Unter gruppenspezifischen Wortschätzen versteht man Sonderwortschätze verschiedener sozialer Gruppen einer Sprachgemeinschaft mit gemeinsamen Lebensbedingungen. In den früheren Klassifikationen als Standessprachen (Jargons),

in jüngeren als Gruppensprachen, Gruppenwortschätze, Soziolekte, gruppenspezifische Wortschätze bekannt, entstammen sie Sprachverwendungsweisen sozialer Gruppen der Gesellschaft außerhalb der Sphäre der Produktion, Wissenschaft und Technik. Ihr Gebrauch kennzeichnet den Sprecher als Angehörigen einer Interessen-, Freizeit-, Alters- oder Organisationsgruppe.

Die sprachlichen Eigenheiten der sozialen Gruppen bestehen vor allem in einem gruppenspezifischen Wortschatz, wobei Grundwortschatz und grammatische Struktur jedoch einer Existenzform entsprechen: der Literatursprache, der Umgangssprache oder der Mundart. In der Regel verfügt ein Sprecher über mehrere Normen, z.B. die Literatursprache, verschiedene Register der Umgangssprache, eine Fachsprache. Je nach dem Bildungsgrad und der konkreten Kommunikationssituationen werden entsprechende Normen verwendet.

Der Unterschied dieser gruppenspezifischen Lexik von den Fachwortschätzen ist bereits in der älteren Germanistik treffend formuliert: Zum Unterschied von Fach- und Berufssprachen sind die besonderen Ausdrüke der gruppenspezifischen Wortschätze expresssive oder euphemistische Synonyme zu den bereits bestehenden Wörtern der Gemeinsprache.

Die Gruppenwortschätze werden von der jeweiligen Gruppe der Sprachgemeinschaft geprägt, die sie ins Leben ruft. All diese Wortschätze haben jedoch eines gemeinsam die Anschaulichkeit und Bildhaftigkeit der Wörter, die durch metaphorische Übertragung der gemeinsprachlichen Lexik entsteht. Das ist die Hauptquelle aller Gruppenwortschätze sozialer Gruppen. Vgl. einige aus dem zweiten Weltkrieg stammende Sozialektismen der Soldaten, wie Spatz für ein kleines Stück Suppenfleisch, Wasser mit Wasser für dünne Suppe, braune Husaren für Flöhe.

Zu den bekanntesten gruppenspezifischen Wortschätzen des Deutschen gehören die sogenannte Studentensprache, die Gaunersprache bzw. das Rotweltsch oder Argot, die Soldatensprache.

Die Gaunersprache, auch als Deklassiertenjargon bezeichnet, nimmt einen besonderen Platz ein. Die Jargonismen dieser Gruppe erfüllen, wie das traditionsgemäß in der einschlägigen Literatur betrachtet wird, eine Tarnfunktion. Dieser Gruppenwortschatz ist ein Mittel, sich von den Nichteingeweihten abzusondern und für alle anderen Angehörigen der Sprachgemeinschaft unverständlich zu bleiben. Thematisch sind das vor allem Synonyme für verschiedene Arten von Verbrechen, Verbrechern, Verbrecherwerkzeug, ferner Synonyme für Geld, Polizei, besonders Kriminalpolizeibeamten, Bezeichnungen von Lebensmitteln, Kleidung u.ä. Zur Tarnfunktion eingneten sich sowohl die gemeinsprachliche Lexik als auch Entlehnungen aus Fremdsprachen mit sehr beschränkter Verbreitung.



Ein viel umstrittenes Problem der gruppenspezifischen Lexik sind gewisse Eigenheiten des Wortschatzes der Jugendlichen, die sich nach 1945 entwickelt haben. In der einschlägigen Literatur wird dieser Gruppenwortschatz sehr verschieden bezeichnet: Jugenddeutsch, Jugendjargon, Jugendslang, Halbwüchsigendeutsch, Teenagerdeutsch, Twendeutsch, die Sprache der Teenager und Twens, Jugendsprache, Soziolekt (der Jugendlichen).

 

Dass es sich in diesem Fall um keinen Jargon im Sinne einer Einheit von lexikalischen, grammatischen und lautlichen Besonderheiten handelt, die sich durch Systemhaftigkeit und Norm auszeichnet, haben auch die jüngsten Untersuchungen gezeigt, in denen als Elemente der Signalfunktion der Jugendlichen nur Wörter und Wortgruppen angeführt werden.

Was die sogenannte Jugendsprache von früheren Altersgruppensprachen, z.B. der alten Studentensprache unterscheidet, ist die Tatsache, dass sie sozial nicht gebunden und nicht beschränkt ist. Träger dieses Gruppenwortschatzes sind verschiedene Altersgruppen, sie umfassen Jugendliche im Alter von 14 bis 30 Jahren. Vgl. die lexikographischen Angaben: der Teenager ist ein junges Mädchen von 14 bis 19 Jahren, der Twen ein junger Mann von 20 bis 30 Jahren.

Die Hauptquelle der gruppenspezifischen Lexik der Jugendlichen ist die gemeinsprachliche Lexik, aber auch Entlehnungen aus anderen Gruppensprachen, Dialekten und Fremdsprachen sind zu verzeichnen. Gerade in der Jugensprache treten die Wechselbeziehungen zwischen gemeinsprachlicher Lexik und anderen Gruppensprachen besonders deutlich zutage.

Die überwiegende Mehrheit der Jugendjargonismen (semantischtransformierte gemeinsprachliche Lexeme) ensteht durch metaphorische Bedeutunsübertagung: Kanne für Saxophon, Badenwanne, Hundehütte für Kontrabaß, Pfanne für Banjo, Wurzel für Klarinette u.a.

Entlehnungen aus Fremdsprachen sind primär Anglo-Amerikanismen. Das sind in erster Linie Bezeichnungen für Jugendliche selbst: der Teenager und die Scheinentlehnung der Twen (englisch nicht vorhanden, eine Bildung der Jugendsprache aus dem engl. twenty). Ferner sind zahlreiche Anglo-Amerikanismen zu nennen aus den Bereichen Musik, Film, Fernsehen, Freizeitgestaltung, Mode: Country-Musik, Disko, Sportdress, T-Shirt u.a.m.


Date: 2015-12-17; view: 1613


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