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Zweite Lautverschiebung

Erste Lautverschiebung Ph. Hochdeutsche Lautverschiebung Beispiele (Neuhochdeutsch)
G: /*b/→/*p/ 1. /*p/→/f/ 1. niederdeutsch: slapen, englisch: sleep -> schlafen; 2. niederdeutsch und englisch: Schipp, ship -> Schiff.
2. /*p/→/pf/ 1. niederdeutsch: Peper, englisch: pepper -> Pfeffer; niederdeutsch: Plauch, englisch: plough -> Pflug; 2. gotisch: hilpan, englisch: help -> althoch-deutsch helpfan -> helfen; niederdeutsch: scherp, englisch: sharp -> althochdeutsch: scharpf -> scharf. 3. angelsächsisch: æppel, englisch: apple -> althochdeutsch: apful -> Apfel.
G: /*d/→/*t/ 1. /*t/→/s/ 1. niederdeutsch: eten; englisch: eat -> essen. 2. niederdeutsch: dat, wat; englisch: that, what -> das, was.
2. /*t/→/ts/ 1. niederdeutsch: Tiet, englisch: tide (Flut), schwedisch: tid -> Zeit. 2. niederdeutsch: ver-tellen, englisch: tell -> er-zählen; angelsächsisch: swart -> althoch-deutsch: swarz -> schwarz. 3. angelsächsisch: settian -> althochdeutsch: setzan -> setzen.
G: /*g/→/*k/ 1. /*k/→/x/ 1. niederdeutsch und englisch: maken, make -> machen; 2. niederdeutsch: ik, altenglisch: ic -> ich; niederdeutsch: auk -> auch.
2. /*k/→/kx/ 1. Kind -> bairisch: Kchind; 2. altsächsisch: werk -> althochdeutsch: werkch -> Werk. 3. altsächsisch: wekkian -> althochdeutsch: wekchan -> wecken.
G: /*bʰ/→/*b/ V: /*p/→/*b/ 3. /*b/→/p/ Berg, bist -> bairisch: perg, pist.
G: /*d/→/*đ/→ →/*d/ V: /*t/→/*đ/→ →/*d/ 3. /*dʰ/→/t/ niederdeutsch: Dag oder Dach, englisch: day -> Tag; niederländisch: vader -> Vater.
G: /*gʰ/→/*g/ V: /*k/→/*g/ 3. /*g/→/k/ Gott -> bairisch: Kott.
G: /*t/→/þ/ [ð] 4. /þ/→/d/ /ð/→/d/ englisch: thorn, thistle, through, brother -> Dorn, Distel, durch, Bruder.

Die in der Tabelle dargestellten Prozesse begannen Ende des 5. Jahrhunderts im Alpen-gebiet und breiteten sich allmählich über drei bis vier Jahrhunderte nach Norden aus. Nur bei den Alemannen und Bayern verliefen sie ziemlich konsequent, die von Franken bewohnten Gebiete erfassten sie nur partiell, und im Norden deutscher Gebiete, den die Sachsen bewohnten, hinter-ließen sie nur geringfügige oder gar keine Spuren. Aus diesem Grunde spricht man von der so genannten Benrather Linie, die heute von Aachen über Düsseldorf, Elberfeld, Kassel, Aschers-leben, Magdeburg bis nach Frankfurt an der Oder verläuft. Nördlich der Linie erfolgten die Pro-zesse der Zweiten Lautverschiebung nicht oder nur geringfügig; die Linie stellt somit die Grenze zwischen der hochdeutschen und der niederdeutschen Sprache dar.



Die Benrather Linie teilt das Gebiet der niederdeutschen Dialekte (Gelb) von den Übergangsgebieten (Türkis) zum hochdeutschen Dialekt-Raum ab. Die Speyerer Linie teilt die Übergangsgebiete (Türkis) und den hochdeutschen Dialekt-Raum (Bronzefarben).

Die Zweite Lautverschiebung war die wichtigste Erscheinung, die für die Trennung des Althochdeutschen vom Germanischen von Bedeutung war; in der 2. Hälfte des 1. Jahrtausends erfolgten aber auch andere interessante Prozesse im Sprachsystem.

Der wichtigste Wandel im Vokalismus war der Umlaut des germanischen a zu althoch-deutschem geschlossenem e infolge der Wirkung eines i oder j der Folgesilbe. Als Beispiel kann man hier die Singular-Plural Opposition des Wortes gast angeben. Während im Germanischen die Formen noch gast gasti lauteten, änderten sie sich im Althochdeutschen zu gast gesti (diese Assimilation konnte allerdings durch bestimmte Konsonantenverbindungen, zum Beispiel ht oder hs, verhindert werden).

Im Althochdeutschen erschienen auch zum ersten Mal die Formen des bestimmten und unbestimmten Artikels, die im Indogermanischen noch völlig fehlten. Der bestimmte Artikel ent-wickelte sich aus den Demonstrativpronomina der, das, diu; der unbestimmte aus dem Zahlwort ein. Beide verdanken ihre Existenz der schwindenden Zahl der Kasus und sich vereinfachenden Endungen der Substantive. Die Bedeutung und Beziehungen eines Substantivs zu anderen Wör-tern im Satz im Althochdeutschen konnten nicht mehr so einfach, wie es im Indogermanischen der Fall war, auf Grund der Endungen erkannt werden.

Aus ähnlichen Gründen begannen Personalpronomina häufiger im Satz benutzt zu wer-den. Früher waren sie im Germanischen (wie im Lateinischen) nicht notwendig, denn die Person war an der Personalendung erkennbar. Während die ersten Worte des christlichen Glaubens-bekenntnisses in der Sankt Gallener Fassung aus dem 8. Jahrhundert noch kilaubu in kot fater almahtîcun lauten, so lesen wir in der Version Notkers aus dem 10. Jahrhundert schon: ich keloubo an got, almahtigen fater.

Zu wichtigen Änderungen kam es auch im Tempussystem. Während es im Germanischen nur zwei Tempora das Präteritum und das Präsens gab, begannen sich im Althochdeutschen neue, analytische Zeitformen zu entwickeln, bei denen die Zeitverhältnisse mit einem Vollverb und einem Hilfsverb ausgedrückt werden. So finden wir in althochdeutschen Texten schon Bei-spiele des Perfekts (ich habên iz funtan, nu ist er queman), des Futurs (nû willu ih scriban ich werde schreiben, vgl. I will im Englischen), des Plusquamperfekts und des Passivs (iz was gino-man).

In der Wortbildung tauchte ein neues Suffix -āri auf, das aus dem lateinischen -ārius entlehnt wurde und im Mittelhochdeutschen die Form -er annahm. Das Suffix war zuerst auf Wörter lateinischer Herkunft (zum Beispiel mulināri aus lat. molinārius Müller) beschränkt, später dehnte es sich auch auf einheimische Wörter aus.

Die Einflüsse der lateinischen und zum Teil griechischen Sprache, die noch in germa-nischen Sprachen sichtbar waren, verstärkten sich noch mit der Christianisierung deutscher Ge-biete. Die neue Religion erforderte die Einführung neuer Begriffe, die den Germanen bisher fremd waren. Viele dieser neuen Wörter waren Lehnbildungen, bei denen es sich um Nachprä-gungen fremder Wörter mit den Mitteln der eigenen Sprache handelte (bei der Prägung neuer Wörter musste man den Bau und die Etymologie des fremden Wortes kennen). So entstand aus lat. com-mūnio die althochdeutsche gi-meini-da oder aus lat. ex-surgere das althochdeutsche ūf-stān (auferstehen).

Die meisten dieser Neubildungen waren jedoch Lehnbedeutungen, bei denen die Bedeu-tung eines Wortes aus der eigenen Sprache einem neuen Begriff angepasst wurde. Ein gutes Beispiel ist das althochdeutsche Wort suntea, das zuerst im weltlichen Sinne benutzt wurde und ein Verhalten, dessen man sich zu schämen hat, bedeutete. Durch die Christianisierung wurde diese alte Bedeutung durch eine neue (Sünde) verdrängt.

Schließlich wurden sehr viele Wörter direkt aus dem Latein in die deutsche Sprache übernommen, nicht nur aus dem Bereich der Religion, wie klōstar (Kloster, lat. claustrum), munich (Mönch, lat. monachus), sondern auch der Bildung: scrīban (schreiben, lat. scrībere), scuola (Schule, lat. scōla), des Gartenbaus: petersilia (mittelalterliches Latein: pētrosilium) oder der Heilkunst: arzat(er) (Arzt, lat. aus gr.: archiater).

Viele Ortsnamen, die auf -heim (Pappenheim, Bischofsheim) enden, sind wahrscheinlich auch eine Lehnübersetzung zu lat. villa.

In der Periode des Althochdeutschen erschien auch zum ersten Mal das Wort deutsch in seiner heutigen Bedeutung. Das Wort ist germanischer Herkunft; diot bedeutete im Althoch-deutschen Volk und diutisc volksmäßig, zum eigenen Volk gehörig. Das Wort wurde auch sehr früh in lateinische Quellen in der Form theodiscus übernommen und diente zur Unterscheidung romanischer und germanischer Einwohner des Frankenreiches. Ein interessantes Beispiel seiner Nutzung finden wir im Bericht von einer Reichsversammlung von 788, wo der Bayernherzog Tassilo zum Tode verurteilt wurde. Der Schreiber der Kanzlei erklärte, dies geschah wegen eines Verbrechens, quod theodisca lingua harisliz dicitur (das in der Volkssprache harisliz [Fahnen-flucht] genannt wird). Zuerst wurde das Wort nur in Bezug auf die Sprache benutzt; bei Notker von Sankt Gallen finden wir zum Beispiel um 1000 in diutiscun auf Deutsch. Erst fast ein Jahr-hundert später, im Annolied, das um 1090 im Kloster Siegburg entstand, lesen wir von diutischi liuti, diutschi man oder diutischemi lande.

Aus der Periode des Althochdeutschen sind viel mehr Texte erhalten als aus urger-manischen Sprachen; ihr Spektrum reicht von vorchristlichen, germanischen Heldenliedern bis zu von christlicher Religion geprägten Werken. Weiter folgen nur einige Beispiele althoch-deutscher Literatur:

Hildebrandslied

Hildebrandslied (Althochdeutsch) Moderne Übersetzung
Ik gıhorta dat ſeggen dat ſih urhettun ænon muotın hıltıbrant entı hadubrant untar herıun tuem ſunu fatarungo ıro ſaro rıhtun garutun ſe ıro gudhamun gurtun ſih ıro ſuert ana helıdoſ ubar rınga do ſie to dero hıltu rıtun hıltıbrant gımahalta herıbranteſ ſunu her uuaſ heroro man feraheſ frotoro her fragen gıſtuont fohem uuortum ƿer ſin fater ƿarı fıreo ın folche   Ich hörte das sagen, dass sich Herausforderer einzeln abmühten: Hildebrand und Hadubrand zwischen zwei Heeren. Sohn und Vater bereiteten ihre Rüstung, richteten ihre Kampfgewänder, gürteten sich ihre Schwerter um, die Helden, über die Rüstung, als sie zu dem Kampf ritten. Hildebrand sagte, Heribrands Sohn, er war der ältere Mann, des Lebens erfahrener, er begann zu fragen, mit wenigen Worten, wer sein Vater gewesen sei unter den Menschen im Volke...  

Date: 2015-12-24; view: 523


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