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Worterklärungen

Schöne Augen

 

 

(Deutsch als Fremdsprache)

 

 

Sandelholz.

Er mag den Geruch. Ganz langsam macht er seine Augen auf. Er weiß noch nicht genau, wo er ist. Ein rot, grün und violett geblümter Vorhang bewegt sich sanft vor einem geöffneten Fenster. Draußen ist es schon ziemlich hell. Die Vögel singen laut. Es sind noch nicht sehr viele Autos unteiwegs. Carsten Tsara schätzt, dass es kurz nach fünf Uhr ist. Er liegt in einem Bett neben einer schlafenden Frau. Ihre Atemzüge sind langsam, ruhig und gleichmäßig. Wer ist sie? Wie kommt er hierher? 10 Kino.

Langsam erinnert er sich. Sie saßen nebeneinander im Kino. Hat er sich neben sie gesetzt? Nein. Sie kam erst, als der Film schon lief. Er war frustriert, sie war frustriert. Der Film war lustig. Ihr Lachen war süß. Das hat er ihr gesagt. Ein gemeinsamer Kaffee in einer Bar. Ein langer Spaziergang, auf dem sie viel geredet haben. Dann sind sie zu ihr gegangen, weil sie beide nicht allein sein wollten. Ursula.

Sie ist Zahnarzthelferin und lebt schon seit Jahren in einer Wohngemeinschaft mit zwei Männern zusammen. Sie hat einen Freund, der woanders wohnt und immer eifersüchtig ist. Sie will sich von ihm trennen, weil sie 10 die vielen Streitereien und sein dauerndes Misstrauen nicht mehr aushält.

Carsten Tsara bemerkt, dass er angezogen ist. Nur seine Jacke und seine Schuhe liegen neben dem Bett auf dem schönen, hellen Holzfußboden. Der Raum ist groß und hoch. An der Wand hängt ein Ölgemälde. Es zeigt einen Küchentisch mit blauweiß karierter Tischdecke, darauf ein Glas, ein Löffel, ein Salzstreuer und sieben Zitronen in einer weißen Porzellanschale. Ein gutes Bild. Er freut sich, dass dieses Bild in ihrem Zimmer hängt.

Sie seufzt und dreht sich um, ohne aufzuwachen. Ihr Gesicht sieht anders aus, als er es in Erinnerung hat. Was geschieht, wenn sie jetzt die Augen öffnet? Ist er verliebt? Er weiß es nicht. Er steht vorsichtig auf. Auf einem Tisch findet er Bleistift und Papier. Er schreibt seine Handynummer auf, nimmt seine Schuhe und die Jacke und verlässt leise das Zimmer.

Vom Flur gehen mehrere Türen ab. Zwei stehen offen. Hinter der einen ist ein winziges Badezimmer, und die andere führt in eine große Küche, in der eine altmodische Pendeluhr tickt. Irgendwoher tönt gleichmäßiges, lautes Schnarchen. Er zögert. Soli er umkehren? Soll er einfach ausprobieren, was geschieht, wenn sie aufwacht?

Er braucht Zeit um nachzudenken. Er muss gehen. Er öffnet die Wohnungstür. Dahinter sitzt ein großer, blonder Mann vor einem Computermonitor. Er ist schlank, einige Jahre jünger als Tsara und hat nur Unterwäsche an.

,,Hey, die Eingangstür ist hinter dir!", brummt der Blon­de ärgerlich, ohne vom Bildschirm hochzusehen. ,,Du musst dich nur umdrehen!"



,,Entschuldigung!", murmelt Carsten Tsara verlegen. ,,Ich wollte nicht ... äh ... das passiert mir immer, wenn ich zum ersten Mai in einer anderen Wohnung bin." Verwirrt verlässt er das Haus. Wo steht sein Auto? Er weiß es nicht mehr und geht einfach los. Irgendwo in der Nähe muss es ja sein. Nach einer halben Stunde findet er is es neben dem Kino auf dem Bürgersteig. Ach, richtig, er hatte ja keinen Parkplatz gefunden. Hinter dem Scheibenwischer klemmt ein Strafzettel. Tsara flucht. Müssen Politessen so früh aufstehen? Können sie nicht bis acht Uhr schlafen, gemütlich frühstücken und erst am späten Vormittag zum Dienst erscheinen? Nein! Politessen sind immer pünktlich! Aber wehe, du brauchst mal Hilfe! Dann ist bestimmt keine Polizei in der Nähe!

Hey! Was ist eigentlich mit diesem Mercedes? Der steht 25 doch auch mitten auf dem Gehweg! Warum hat der keinen Strafzettel? Carsten Tsara blickt sich um. Schnell nimmt er den Schein von seiner Windschutzscheibe und steckt ihn unter den Scheibenwischer des anderen Autos. Auf dem Schein steht zwar Tsaras Autonummer. Aber vielleicht merkt es der Mercedesbesitzer nicht und bezahlt einfach. Wer so ein dickes Auto fährt, hat bestimmt Geld wie Heu.

 

 

 

,,Na, das gibt's ja wohl nicht!", ruft Verena Müller und blickt auf ihre Uhr. ,,Montagmorgen, noch nicht mal zwanzig vor acht, und Carsten Tsara kommt schon ins Büro. Das ist das Ende der Welt!" ,,Falsch!", lächelt Tsara. ,,Das ist der Anfang des Frühstücks! Natürlich nur, falls Sie Croissants mögen." Er legt eine volle Papiertüte auf den Schreibtisch seiner Chefin. Verena Müller schnuppert an seiner Jacke. ,,Aha! Noch mehr Neuigkeiten!", sagt sie und grinst. ,,Wieso?", fragt Carsten Tsara mit seiner unschuldigsten Stimme. ,,Sandelholz!"

Verena Müller! 41 Jahre alt, etwas mollig, feuerrote Haare. Mit 20 wollte sie Geigenbauerin werden. Da kam ihr Lieblingsonkel und bat sie, sein Detektivbüro zu übernehmen. Sie machte es. Es war die beste Entscheidung ihres Lebens.

Während Carsten Tsara Kaffee eingießt, muss er lachen. ,,Stellen Sie sich mal vor, Sie wären als Geigenbauerin genauso gut geworden wie als Detektivin!"

,,Wäre ich aber nicht!", brummt Verena Müller und beißt in ein Croissant. ,,Aber lassen wir das jetzt. Es ist schön, dass Sie schon hier sind. Ich muss mit Ihnen über den Fall Köberlein reden. Die Frau macht mich noch verrückt. Jeden Tag ruft sie zweimal an und fragt, ob wir etwas herausbekommen haben. Haben Sie denn was?" Carsten Tsara stöhnt.

,,Die Frau ist krankhaft eifersüchtig! Sie braucht einen
Psychotherapeuten, keinen Detektiv. Ich beobachte ihren
Mann seit zwei Wochen von Montag bis Freitag!"

,,Und?"

,,Nichts! Er kommt um neun in die Firma, drittes Büro von links im Parterre. Er arbeitet neun Stunden ohne Unterbrechung und geht abends um sechs wieder heim! Glauben Sie mir: Das ist kein Fall, das ist sinnlose is Strafarbeit!"

,,Gut bezahlte Strafarbeit!" Verena Müller zieht einen Scheck aus einem Briefumschlag. ,,Sie will, dass wir ihn eine weitere Woche beobachten."

Carsten Tsara hat plötzlich keinen Appetit mehr. Er legt sein Croissant auf den Schreibtisch und faltet bittend die Hände.

,,Diese Art von Arbeit ist nichts für mich. Sie haben noch
sieben andere Mitarbeiter. Warum kann nicht jemand
anders ...?"

,,Was haben Sie denn, mein Lieber?", unterbricht ihn Verena Müller. ,,Der Job ist doch momentan ideal für Sie!"

,,Wie bitte?"

,,Na ja: Während der Bürozeit beschatten Sie Herrn Köberlein, und danach können Sie sich in aller Ruhe um Ihr Sandelholz kümmern!"

 

„Îêàó! Eine Woche noch", brummt Tsara. Er sitzt am Steuer eines VW-Transporters, den die Detektei Müller für geheime Beobachtungen benutzt. ,,Toll, toll, toll! 25 Jahre voll! TOPSTAR feiert sein Jubiläum mit 1000 Supersonderangeboten! Preise wie vor 25 Jahren! Kommen auch Sie und feiern Sie mit!" Wütend schaltet Tsara das Autoradio aus. ,,Kommen! Feiern! Soll das ein Witz sein?" Wenn es nach verena Müller ginge, würde er diesen langweiligen Herrn Köberlein 25 Jahre lang beschatten. Und der wür­de 25 Jahre lang ins Büro gehen, Akten sortieren und keine einzige Frau auch nur frech ansehen. ,,Eine Woche noch! Dann ist Schluss!" Der morgendliche Stau ist kilometerlang. Radfahrer flitzen links und rechts an den Autos vorbei. Sogar die langsamsten Fußgänger kommen schneller voran als die Blechlawine. Tsara trommelt mit den Fingern auf dem Lenkrad herum. ,,Danach kündige ich! Genau! Das mache ich!" Er weiß, dass er nur Quatsch redet. Er macht seine Arbeit viel zu gerne. Außerdem versteht er sich so gut mit sei­ner Chefin. Er und einfach kündigen? Niemals! Diese Erkenntnis macht ihn noch wütender. ,,Fahrt endlich weiter, ihr Schlafmützen!", schreit er und hupt. Die anderen Autofahrer hupen zurück. Es ist ein

25 Hupkonzert, das nach Frust und hilfloser Wut klingt. Die Fußgänger lachen und schütteln die Köpfe. Carsten Tsaras Handy piepst. ,,Ja? Tsara?" Peng!

Der Stau ist weg, die Fußgänger sind weg, die roten Ampeln sind weg. Nur ihre Stimme ist da. Er erkennt sie sofort, obwohl sie nichts sagt, sondern nur weint. ,,Was ist denn?", ruft er. ,,Was hast du denn? Komm, sag doch was!"

,,Ich brauche deine Hilfe", schluchzt sie.
In Carsten Tsaras Kopf rasen die Gedanken. Was ist denn
los? Was hat sie? Und sein Job? Und Anna Köberlein?
Ach was, diese eifersüchtige Ziege kann mich mal! Die
Gegenfahrbahn ist frei. Er schlägt das Lenkrad hart ein,
drückt aufs Gas und wendet mit quietschenden Reifen.
,,In zehn Minuten bin ich bei dir!"

 

Sie weint nicht mehr. Aber sie zittert ein wenig, und ihre Augen sind unruhig. Sie sitzt auf dem Sofa unter dem schönen Stillleben mit den Zitronen und hat ihre Beine an den Körper gezogen. Carsten Tsara weiß nicht, wie er sich verhalten soll. Soll er sich neben sie setzen? Soil er sie in den Arm nehmen? Welches Verhältnis haben sie eigentlich zueinander? Er setzt sich ihr gegenüber auf einen Stuhl. ,,Was ist los?"

Sie sieht ihm in die Augen. Eine Träne läuft an ihrer Nase entlang. Ist sie enttäuscht? ,,Herbert ist gerade dabei, eine Dummheit zu machen!" Herbert? Wer ist Herbert? Einer der beiden Mitbewohner in Ursulas Wohngemeinschaft? Der Blonde? Oder der Schnarcher? Oder vielleicht Ursulas Freund? Der, wegen dem sie gestern frustriert ins Kino ging? Himmel noch mal! Ein guter Detektiv muss sich so was doch merken! Ein guter Detektiv darf nicht nur verliebt in schöne Augen gucken!

,,Eine Dummheit?"

,,Ich weiß nicht, was es ist. Aber bestimmt was Kriminelles."

,,Wie kommst du darauf?"

,,Er hat so hohe Schulden!" Sie beginnt wieder zu weinen. ,,Ich kann doch nicht zur Polizei gehen und ihn anzeigen, oder?"

,,Moment! Moment!", sagt Carsten Tsara. ,,Ich verstehe überhaupt nichts! Wenn ich dir helfen soll, musst du mir schon die ganze Geschichte erzählen." ,,Minderwertigkeitskomplexe!" Die Stimme kommt Carsten Tsara bekannt vor. In der Tür steht der blonde junge Òóð, den er am Morgen vor dem Computer sitzen sah. ,,Hey, Eddi", ruft Ursula überrascht. ,,Wieso bist du nicht in der Uni?"

,,Mein Seminar fällt aus. Wunderbar, denke ich. Da kann ich endlich an meiner Diplomarbeit weiterschreiben. Aber es klappt nicht, weil ich seit dem Morgengrauen alle paar Minuten durch was anderes gestört werde!" Carsten Tsara achtet nicht auf Eddis vorwurfsvollen Blick.

,,Minderwertigkeitskomplexe?", fragt er.

,,Tja, Herbert ist der geborene Verlierer ..."

,,Stimmt nicht!", protestiert Ursula.

,,Sie will es nicht einsehen! Sie sucht sich immer solche Typen aus. Manner, denen sie zeigen kann, wo's langgeht."

Oh! Vielen Dank für das Kompliment!, denkt Carsten Tsara. Dieser Eddi hat keine Probleme, anderen Leuten seine Meinung zu sagen. Trotzdem Findet er ihn irgendwie sympathisch. Ursula ist empört.

,,Herbert ist keinVerlierer!", ruft sie. ,,Nein, er ist nur ... sensibel."

,,Sensibel? Stinkfaul ist er! Wenn er überhaupt arbeitet, dann jede Woche was anderes: Postbote, Friedhofsgärtner, Hilfsarbeiter in 'nem Chemiefirma oder in 'nem Copyshop."

,,Na und? Er ist eben vielseitig!"

,,Vielseitig? Du meinst die vielen verschiedenen Gründe, warum er seine Stelle sofort wieder verliert? Entweder klaut er was, oder er prügelt sich mit Kollegen, oder er kommt jeden Tag zu spat..."

,,Hör auf! Hör endlich auf!"

,,Du willst einfach nicht kapieren, dass er dich nur ausnutzt!"

,,Ich will nicht, dass er ins Gefängnis kommt!" Ursula beginnt zu schluchzen.

 

,,Ins Gefängnis? Wer kommt ins Gefängnis?" Ein dunkelhaariger, molliger Mann steht plötzlich neben Eddi und guckt aufgeregt in die Runde.

Wo kommt denn der auf einmal her?, denkt Carsten Tsara. Dann erinnert er sich an den Morgen, an das Schnarchen aus dem dritten Zimmer. Aha! Das ist also der ... äh ... wie heißt er gleich noch mal? Oh, dieses Geheule! Müssen Frauen so hysterisch sein? ,,Hey, beruhige dich doch bitte!", sagt Carsten Tsara. ,,Wer ist das?", fragt der Dunkelhaarige. Eddi zuckt mit den Schultern.

,,Keine Ahnung, Heinzi. Ich weiß nur, dass er Frühaufsteher ist."

,,Er heißt Carsten und ist Privatdetektiv, klar?", schluchzt Ursula und schnäuzt sich.

,,Ich verstehe immer noch nicht, wie du auf die Idee kommst, dass Herbert ausgerechnet heute ..."

Ursula lässt Carsten Tsara nicht ausreden.

,,Er hat was Idiotisches vor. Und er tut es heute. Ich weiß es. Er hat es ja selbst gesagt."

,,Du hast heute schon mit ihm gesprochen?"

,,Ja, heute Morgen. Er kommt hier an und merkt sofort, dass was anders ist als sonst. Ich sag ihm, dass ich ihn fur 'ne Weile nicht sehen will. Warum?, fragt er, und ich sag: Damit mir endlich klar wird, ob ich weiter mit dir zusammen sein möchte."

,Weiter mit ihm zusammen?', denkt Carsten Tsara. Gestern Abend hieß es noch: Ich trenne mich von ihm! ,,Ich denke natürlich, jetzt dreht er durch, eifersüchtig wie er ist. Aber was macht er? Stellt euch vor: Er lächelt bloß!

,Gib mir noch einen Tag!', sagt er. ,Nur noch einen Tag, und alle Probleme sind gelöst. Morgen früh kannst du dich entscheiden."'

,,Das heißt noch lange nicht, dass er ein Verbrechen vorhat", meint Carsten Tsara. ,,Wie hoch sind denn seine Schulden?"

,,Wahnsinnig hoch. 100.000 Euro? Was weiß ich? Auf jeden Fall viel mehr als er bis morgen früh verdienen kann."

,,Oh, da fällt mir was ein", sagt der dunkelhaarige Dicke. ,,Vor ein paar Wochen hat er mal so einen seltsamen Satz gesagt:

,Ein paar Minuten Angst und danach nie mehr Prob­leme!' oder so ähnlich."

,,Ich krieg die Krise! Das erzählst du mir erst heute, Heinz?" Ursula schüttelt erregt den Kopf. Carsten Tsara begreift mit einem Schlag, dass sie mit ihrer Angst Recht hat. Er blickt die drei WG-Bewohner an und spurt, dass sie genau das Gleiche denken wie er. Er wirft einen Blick auf seine Armbanduhr. Es ist kurz vor halb elf. Seit eineinhalb Stunden sollte er vor dem Bürogebäude im Arabellapark stehen und Herrn Köberlein beobachten.

,,Okay. Jetzt müssen wir wie ein gutes Team zusammenarbeiten! Sag mal, kannst du einen Kleintransporter fahren, Eddi?" Der Blonde nickt. Carsten Tsara schreibt eine Adresse auf ein Blatt Papier:

,Bürohochhaus am Arabellapark 7, Erdgeschoss, drittes Büro von links. Köberlein, schlank, um die 40, Halb-glatze, Schnurrbart, dunkler Anzug.' Er gibt Eddi den Zettel und die Autoschlüssel.

,,Tu mir einen Gefallen! Fahr zu dieser Adresse. Vor dem Bürohaus ist ein Parkplatz. Dort stellst du das Uberwachungsmobil ab. Die Scheiben sind verspiegelt. Du kannst raussehen, aber niemand kann reinsehen. Im Wagen ist ein Laptop. Nimm eine Diskette mit und schreib in aller Ruhe deine Diplomarbeit weiter. Es genügt, wenn du jede Viertelstunde mal nachsiehst, was der Òóð in dem Büro macht."

,,Stark! Ist da richtig Spionagetechnik drin in dem Wa­gen?"

,,Ja. Aber das Zeug ist kompliziert. Lass die Finger davon! Nimm lieber das Feraglas!"

,,Alles klar!", ruft Eddi und eilt zur Tür hinaus.

,,Hat Herbert ein Handy?", fragt Carsten Tsara.

Ursula schüttelt den Kopf.

,,Schon lange nicht mehr. Er zahlt ja keine Rechnungen." ,,Hm, aber du hast einen Schlüssel zu seiner Wohnung, oder?" Sie nickt.

,,Okay. Wir zwei fahren hin. Vielleicht finden wir irgendeinen Hinweis darauf, was er vorhat." ,,Und ich?", protestiert Heinz und schiebt beleidigt seine Brüle hoch. ,,Was ist mit mir? Soll ich in der Nase bohren oder was?"

,,Du bleibst hier. Du bist unsere Telefonzentrale. Viel­leicht ruft Herbert an. Dann musst du versuchen, ihn aufzuhalten oder wenigstens herauszubekommen, wo er ist, klar? Hier hast du meine Handynummer."

 

Das reine Chaos. Genauso hat sich Carsten Tsara die Wohnung vorgestellt. Leere Flaschen, voile Aschenbecher, Schmutzwäsche, ein vertrockneter Blumenstrauß in einer Vase voll stinkendem Wasser.

Die gleiche Unordnung auf dem Schreibtisch: Papierfetzen, Disketten, Stifte, aufgeschlagene Bücher und ein völlig verstaubter Computer. An der Wand, mit einer Stecknadel befestigt, ein stark vergrößertes Foto: Herbert und Ursula lachend Arm in Arm, dahinter das Meer und ein langer, weißer Sandstrand. ,,Tunesien", seufzt Ursula. ,,Aha!"

So sieht er also aus. Ein großer, schlanker Mann mit schmalem Gesicht und lockigen schwarzen Haaren. Ein bisschen wie ein Hippie. Nicht unsympathisch. Leider. ,,Los! Machen wir weiter", sagt der Detektiv und schaltet den Computer ein. ,,Hast du was Brauchbares?" Ursula schüttelt den Kopf. ,,Nichts Neues! Alles genau wie immer." Alles wie immer! Während der Computer startet, wühlt Carsten Tsara in den Briefen, die auf dem Schreibtisch liegen. Eine Mahnung, noch eine Mahnung, drei Rechnungen, ein Brief von der Bank („... wegen des Kontostands bitten wir Sie, umgehend mit unserem Kundenberater Kontakt aufzunehmen"), ein Brief vom Vermieter („... wenn Sie bis Ende dieses Monats Ihre Rückstände nicht bezahlen, sind wir gezwungen, den Mietvertrag zu kündigen"). Alles wie immer, was? Auf Herberts Festplatte herrscht die gleiche Unordnung wie in seiner Wohnung. Es dauert eine ganze Weile, bis der Detektiv begreift, wo er suchen muss. Er stöhnt. Dabei kommt die mühsamste Arbeit erst noch: Jede Datei muss einzeln geöffnet und durchgesehen werden. Belanglose Briefe, schlechte Gedichte, langweilige Fotos, ein Tagebuch mit einer einzigen Eintragung: „12. Dezember: Heute beginne ich, ein Tagebuch zu schreiben." Punkt. Ende. Kein weiteres Wort.

Es ist fast 14 Uhr, als Tsara die letzte Datei öffnet. Ursula steht hinter ihm, blickt über seine Schulter und bemerkt nicht, dass sie ihn dabei sanft berührt. Er riecht ihr Sandelholz-Parfüm und möchte Herbert am liebsten vergessen. Er hat große Lust, sich einfach umzudrehen, sie zu umarmen und zu küssen. Die Datei ist leer.

,,Das gibt's doch nicht!", jammert sie und boxt vor Enttäuschung mit ihren Fäusten in Tsaras Rücken. ,,Das gibt's einfach nicht!"

,,Hey! Reg dich nicht auf! Wir haben noch eine Chance", sagt Tsara und ruft ein Hilfsprogramm auf. ,,Falls er vor kurzem Dateien gelöscht hat, können wir sie vielleicht wiederherstellen."

Aber auch Hilfsprogramme brauchen Zeit.

,Festplatte zu 10 Prozent überprüft... 11 Prozent, 12 Prozent,

Die Minuten verrinnen quälend langsam. Endlich kommt das Signal:

,Der Suchvorgang ist abgeschlossen. 1261 Dateien kön­nen wiederhergestellt werden.' Ursula lässt sich in einen Sessel fallen.

,,Es ist sinnlos", murmelt sie. ,,Mehr als tausend Dateien! Sinnlos! Das schaffen wir nie, oder?" Carsten Tsara gibt keine Antwort. Er bemerkt nicht einmal mehr, dass Ursula im Zimmer ist. Ein Schalter in seinem Kopf ist umgeklickt, wie so oft, wenn ihm eine Situation hoffnungslos erscheint und er spurt, dass sein Verstand nichts mehr erreichen kann. Er weiß nicht genau, was in solchen Augenblicken mit ihm geschieht. Aber er hat einen Namen fur das Gefühl. Er nennt es den ,Schlangenblick'.

Sein Hirn ist leer. Die Liste mit den Dateien rollt durch sein Blickfeld. Sie enthält viele Buchstaben und Zahlen, aber er sieht nur schwarzweiße Balken, die von unten aus dem Nichts kommen und nach oben ins Nichts verschwinden. Er sitzt da wie eine Schlange, die auf ein Opfer wartet. STOP!

,tues.doc'. Das ist es, oder? Carsten Tsara befiehlt dem Dienstprogramm, die Datei wiederherzustellen, und öffnet sie.

Sie haben die Wahl: +++ 500.000 EURO oder GIFTIGE Schokoriegel +++ Nur grofie Scheme in einer KNALLROTEN Plastiktüte +++ Nur EIN überbringer! +++ Keine Tricks +++ j KEINE POLIZEI +++ Sonst passiert etwas Schlimmes +++ Halten Sie das Geld bereit +++ Genaue Anweisungen folgen +++

 

,,Giftige Schokoriegel? Was soli denn das?" Ursula sieht den Detektiv an und schüttelt den Kopf. ,,Was macht er da bloß?" Ihre Stimme klingt leise, müde, fremd. ,,Eine Erpressung!", schimpft Carsten Tsara. ,,Das Allerdümmste, was man tun kann. Die Aufklärungsquote der Polizei liegt bei knapp 100 Prozent. Bei der Geldübergabe schnappen sie fast jeden."

,,Die Geldübergabe? Wo ist die denn?", fragt Ursula. Carsten Tsara runzelt die Stirn. Was ist mit ihr los? Versteht sie den Text nicht?

,,Genaue Anweisungen folgen", liest er laut vor. ,,Das heißt wahrscheinlich, dass er anruft und den Leuten sagt, wo sie das Geld hinbringen sollen."

,,Und wir wissen es nicht..."

,,Exakt! Wir wissen nicht, wen er erpresst. Wir wissen auch nicht, wann und wo die Geldübergabe stattfinden soil. Wir wissen so gut wie überhaupt nichts." Und irgendwie - denkt er weiter - geschieht es diesem Idioten recht. Soll er doch für ein paar Jahre in den Knast gehen!

,,Aber du kannst ihn finden, Carsten! Das weiB ich." Ihre schönen großen Augen sehen ihn an. Sie sind so voll Hoffnung und Vertrauen, dass er sich für seine Gedanken schämt.

 

Die Zentrale der Kriminalpolizei befindet sich in der EttstraBe. Das ist mitten in München, ganz in der Nähe der Frauenkirche. Carsten Tsara mag das große und düstere Polizeigebäude nicht. Aber jetzt muss er hin, um einen alten Freund zu besuchen, der dort arbeitet. Das Opfer von Herberts Erpressung - wahrscheinlich ein Lebensmittelhersteller oder eine Supermarktkette - hat sich bestimmt an die Polizei gewandt. Kommissar Andreas Gastl ist für Erpressung und schweren Betrug zuständig. Wenn er von dem Fall nichts weiß, kann Carsten Tsara nichts mehr für Herbert tun. Der Detektiv steigt die Treppe zur vierten Etage hinauf. Zwei uniformierte Polizisten kommen ihm entgegen. Sie führen einen jungen Mann in Handschellen ab. Carsten Tsaras Schritte werden langsamer. Aber ... wie soll er das überhaupt machen?

Sicher, Andreas hat ihm schon öfter geholfen. Von ihm kriegt er manchmal Informationen, an die man als normaler Burger nicht so leicht herankommt. Aber in diesem Fall liegt die Sache anders. Er kann doch nicht in das Büro reingehen und fragen:

,,Hallo Andi, lange nicht gesehen! Wie geht's denn so? Alles klar? Übrigens: Wann und wo ist eigentlich die Geldübergabe in diesem Erpressungsfall mit den vergifteten Schokoriegeln?"

Nachdenklich biegt er um die Ecke. Vierte Etage. Da vorne ist schon die Tür zu Andreas Gastls Büro. Und jetzt?

Soll er wirklich reingehen? Er bleibt stehen und setzt sich auf eine Bank.

Meine Pflicht ist es eigentlich, der Polizei zu helfen, denkt er. Aber was mache ich? Ich helfe dem Täter. Nach dem Gesetz bin ich ein Mittäter. Warum lasse ich mich darauf ein?

Wegen IHR natürlich! Weil SIE mich darum bittet. Und was geschieht, wenn ich Erfolg habe, wenn ich es schaffe, ihren Herbert zu retten?

Er bleibt noch eine Weile sitzen, überlegt, schüttelt den Kopf.

Er springt auf und eilt zur Treppe zurück.

Aber bald werden seine Schritte langsamer. Er bleibt stehen.

Er dreht sich um und geht erneut auf das Büro zu. Vor der Tür halt er noch einmal an und atmet tief durch. Dann klopft er und drückt entschlossen die Klinke. Aber die Tür bleibt zu. Sie ist abgesperrt. ,,Mist!", schreit Carsten Tsara und schlägt mit der Aa­chen Hand gegen die Wand. ,,So ein verdammter Mist!" Eine Beamtin in Polizeiuniform kommt den Flur entlang. Sie sieht ihn fragend an. Carsten Tsara überlegt, ob er sie irgendetwas Sinnvolles fragen könnte. Da beginnt sein Handy zu piepsen.

,,Ja? ... Tatsächlich!? ... Wann? ... Von wo? ... Hach, warum denn nicht? ... Ist Ursula schon zu Hause? ... Okay, ich komme!"

 

,,Bitte erzähle mir jetzt alles, Heinzi! Und so genau wie möglich, okay?" Carsten Tsara setzt sich auf einen Küchenstuhl und blickt Karlheinz direkt ins Gesicht. Der mollige, dunkelhaarige Mann schiebt nervös seine Brille hoch.

,,Okay! Also, das Telefon klingelt..." ,,Wann?"

„Vor 'ner halben Stunde ungefähr. Ich geh ran, und da sagt er ..." ,,Wer? Herbert?"

,,Natürlich! Wer denn sonst? Also er sagt:

,1st Ursel zu Hause?' Darauf ich:

,Hallo Herbert, wie geht's denn so?' Darauf wieder er:

,AHes paletti, Heinz! Sei mir nicht bös, aber ich hab grad nicht so viel Zeit. Kannst du mir bitte gleich mal Ursel holen?' Ich wieder:

,Tut mir Leid, Herbert, sie ist grad nicht da.' ,Was? Wo ist sie denn?' fragt er.

,Keine Ahnung!' sag ich. ,Vielleicht Einkaufen. Kann sie dich zurückrufen? Oder soli ich was ausrichten?' Da macht er 'ne ziemlich lange Pause, so als denke er nach. Dann sagt er:

,Nee, du, Zurückrufen geht nicht. Sag ihr einfach, dass ich okay bin und dass sie sich schon mal 'ne Antwort überlegen soll.' ,'ne Antwort?'

,Ja. Sie weiß schon, was ich meine, okay?' ,Klar, Herbert!', sag ich und überlege, was ich fragen kann, damit er noch am Telefon bleibt. Aber mir fällt in der Eile nichts ein. Da höre ich den Schlüssel an der Tür und sehe Ursula reinkommen.

,Warte!', rufe ich. ,Warte, Herbert! Da kommt sie gerade!', Aber er hat schon aufgelegt."

,,Mist!", sagt Carsten Tsara. ,,So, wie das klingt, raft er nicht noch mal an! Und wir haben keine Ahnung, wo er steckt! Telefonzellen gibt's schlieBlich Tausende in dieser Stadt!"

,,Telefonzellen?" Heinz wiegt den Kopf hin und her. ,,Also, wenn ich genauer darüber nachdenke, glaub ich eigentlich nicht, dass er in 'ner Telefonzelle war. Eher auf 'nem Fest oder so ..."

Es dauert einige Sekunden, bis Carsten und Ursula begreifen. Sie sehen zuerst sich und dann Karlheinz an. ,,Warum guckt ihr so? Hab ich was Falsches gesagt?" ,,Ein Fest?", schreien beide.

,,Na ja, irgendwas, wo viel los ist. Eine Geburtstagsparty oder so ... mit Leuten, Trabel, Musik, richtig Rambo-zambo!" Er kichert. Dann runzelt er die Stirn. ,,Eigentlich schon komisch, so 'ne Party am Nachmittag! Wenn es nicht mitten im Juni ware, würd' ich sogar sagen, es klang wie Karneval ..." ,,Wieso?"

,,Na, wegen dem Gesang im Hintergrand: Toll! Toll! Toll!

Wir sind alle hackevoll!' oder so ähnlich ..."

Carsten Tsara springt auf und rennt zur Tür.

,,Los!", schreit er.

,,Was ist denn?", fragt Ursula.

,,Mitkommen! Alle beide! Schnell!"

 

Am Haupteingang von TOPSTAR stehen attraktive junge Frauen mit engen Overalls und lustigen Hüten, auf denen mit groBen goldenen Ziffern die Zahl „25" steht. ,,Toll, toll, toll!", rafen sie und bewerfen jeden Neuankömmling mit Luftschlangen und Konfetti. Im Inneren des Kaufhauses ist die Hölle los. Tausende Menschen drängen sich um die Wühltische mit den sensationellen Sonderangeboten. Mitarbeiter einer Catering-Firma schieben sich mit ihren Tabletts durch die Menge und reichen belegte Brötchen und Sekt Unzählige grellbunte Plakate hängen von der Decke. Eine Big-Band spielt Hits von früher und dazwischen immer wieder den Werbejingle:

,,Toll, Toll, toll! 25 Jahre voll!"

Carsten Tsara, Ursula und Heinz haben Mühe, sich nicht aus den Augen zu verlieren.

,,Es ist aussichtslos!", ruft Heinz und schiebt seine Brille hoch. ,,Wie sollen wir ihn denn finden? Außerdem ist es noch nicht mal sicher, dass er auch wirklich hier ist." ,,Wir müssen ihn aber finden!", sagt Ursula trotzig. „Er ist bestimmt hier!" Carsten Tsara spurt ihre Verzweiflung.

,,Keine Panik!", sagt er. ,,Ich bin auch sicher, dass er hier ist. In diesem Trubel hat er nämlich gute Chancen, unerkannt zu bleiben. Guckt mal: Die Plastiktüten von TOPSTAR sind hellblau. Wir wissen aber, dass das Geld in einer knallroten Tüte sein soll. Unsere Chancen, den Geldboten zu finden, sind gar nicht so schlecht." ,,Na gut! Aber wie sollen wir suchen?", fragt Heinz. ,,Das Kaufhaus hat drei Etagen", antwortet Carsten Tsara. ,,Heinz, du übernimmst den zweiten Stock, Ursula den ersten, und ich bleibe hier im Erdgeschoss, okay?"

Übrigen Kaufhausbesuchern schiebt er sich Meter um Meter von einem Wühltisch zum nächsten. Doch statt auf die Sonderangebote zu achten, sieht sich der Detektiv die Leute rund um sich herum genau an. Da sind türkische Großmütter mit bunten Kopftüchern, Hausfrauen mit riesigen Einkaufstaschen, Geschäftsleute im feinen Anzug, junge Mädchen mit Zahnspangen, Handwerker in Arbeitskleidung - alle wollen die 25-Jahr-Feier dazu nutzen, ein Schnäppchen zu machen. Keiner von ihnen hat eine rote Plastiktüte.

Carsten Tsara ist sicher, dass Herbert hier im Erdgeschoss ist. Der Ort und der Zeitpunkt sind für eine Geldübergabe nicht schlecht gewählt. Herbert muss nur dem Boten die Plastiktüte aus der Hand reißen, wieder zwischen den übrigen Besuchern verschwinden und sofort zu einem der drei Ausgänge gehen. Wenn allerdings die Polizei ... der Detektiv blickt zum Haupteingang hinüber. Richtig! Neben der großen Glastür steht ein Mann, den er schon öfter bei der Kripo gesehen hat. Er hat eine schwarze Lederjacke und Bluejeans an und gibt sich große Mühe, wie ein normaler Kunde auszusehen. Er unterhält sich mit zwei anderen Männern, die ähnlich gekleidet sind wie er.

Sie wissen also von der Erpressung! Carsten Tsara braucht nicht viel Fantasie, um sich vorzustellen, dass es im Kaufhaus TOPSTAR von Polizisten nur so wimmelt. Sie sind an alien Ausgängen, bei den Rolltreppen und bestimmt auch in der Nähe des Geldboten. Herbert hat keine Chance. Sobald er das Geld nimmt und sich damit zu erkennen gibt, schnappt die Falle zu. Umso wichtiger ist es, ihn vorher zu finden!

Carsten Tsara braucht nun nicht mehr nach der roten Plastiktüte zu suchen, sondera nur noch nach Andreas Gastl. Als Chef der Abteilung ist Andreas bestirnmt ganz nahe bei dem Geldboten. Sein Freund ist fast zwei Meter groß. Einen solchen Riesen kann man selbst im schlimmsten Gedränge leicht finden, oder? Das Jagdfieber packt den Detektiv. Er allein gegen eine ganze Armee - das ist ein Spiel, das ihm gefällt. Er blickt nach links, nach rechts, sieht mehrere große Manner. Aber sein Freund ist nicht darunter.

Eine unglaublich dicke Frau drängelt sich an Carsten Tsara vorbei und tritt ihm dabei auf die Füße. ,,Hey, passen Sie doch auf!", will er rufen, während er sich umdreht. Aber der Satz bleibt ihm im Mund stecken. Andreas Gastl ist nur ein paar Meter hinter ihm. Doch er bemerkt Carsten Tsara nicht. Er blickt in eine andere Richtung. Wen beobachtet er denn so scharf? Der Detek­tiv verfolgt den Blick des Polizisten zehn Meter weiter zu einem Mann, der neben einem der Wühltische steht. Er hat eine knallrote Plastiktüte in der Hand. Der Geldbote! Endlich! Jetzt fehlt nur noch ...

Ja! Da ist auch Herbert! Er steht am Nachbarwühltisch und beobachtet den Geldboten. Er ist blass und scheint hin und her zu überlegen, ob er die Sache nun machen soll oder nicht.

Carsten Tsara weiß, dass ihm jetzt keine Zeit mehr bleibt. Eilig schiebt er sich durch die Menschenmenge auf Herbert zu. Die Luft ist schlecht. Es riecht nach billigem Parfüm und Schweiß. Die Leute schimpfen, weil der Detektiv sich mit Gewalt an ihnen vorbeidrängelt. Ihm wird schwindelig. Das ist der Kreislauf!, denkt er. Seit dem halben Croissant heute Morgen habe ich keinen Bissen mehr gegessen.

,,Toll, toll, toll! 25 Jahre voll!" Die Musik kominl plötzlich unerträglich laut vor. Der Schwindel wird schlimmer. Nur jetzt nicht umfallen!, sagt er sich. Glcich hast du es geschafft! Er sieht, wie Herbert ein kleines braunes Päckchen aus seiner Jacke holt. Was hat er in der anderen Hand? Ein Feuerzeug. Er blickt nach oben. Die Sprinkleranlage!

Carsten Tsara fällt der Erpresserbrief wieder ein: ,,KEINE POLIZEI +++ Sonst passiert etwas Schlimmes." Das Päckchen ist eine Rauchbombe! Herbert hat mal in einer ChemikaliengroBhandlung gearbeitet! Kaliumchlorat und Puderzucker, das gibt dicken weiBen Rauch. Und dann? Feueralarm ... und eine Massenpanik! Carsten Tsara rennt jetzt. Er schiebt die Menschen, die ihm im Weg stehen, einfach zur Seite. Die Leute schimpfen. Herberts Feuerzeug brennt. Kurz bevor er die Flamme an das Päckchen halten kann, schlägt Carsten Tsara es ihm aus der Hand.

,,Hau ab, Herbert!", sagt er leise, dann verliert er den Boden unter den Füßen. Während er fällt, hört er eine 20 Trillerpfeife. Eine Stimme schreit: ,,Zugriff!" Dann wird alles schwarz vor seinen Augen.

 

 

Um kurz nach halb sechs Uhr verlässt Carsten Tsara das Polizeipräsidium als freier Mann. Er winkt einem Taxi. ,,Zum Arabellapark, bitte!", sagt er. Während der Fahrt muss er mehrere Male laut lachen.

Der Fahrer beobachtet ihn ängstlich durch den Rückspiegel. Hat er etwa einen gefährlichen Irren im Wagen? Er kann ja nicht wissen, wie komisch die letzten beiden Stunden für Carsten Tsara waren. Zuerst die Szene, wie er aus seiner Ohnmacht aufwacht: Er liegt auf dem Fussboden im Kaufhaus TOPSTAR. Sei­ne Arme sind mit Handschellen gefesselt. Ein Dutzend Polizeibeamte beugen sich über ihn, und Andreas Gastl fragt:

,,Carsten! Du? Sag mal, was machst du denn hier?" ,,Ich will mir eine Badehose kaufen", antwortet er. „Ist das verboten?"

Natürlich muss er mit zur Polizei. Dort bekommt er end­lich etwas zu essen und eine Tasse Kaffee. Eine Erpressung? Davon weiß er nichts.

Ein Geldbote mit einer roten Plastiktüte? Was? Keine Ahnung!

Er wollte nur eine billige Badehose. Das Ganze ist ein reiner Zufall. ãî Die Beamten müssen ihm glauben.

Carsten Tsara hat den Geldboten und die Plastiktüte ja nicht einmal berührt. Sie müssen sich sogar bei ihm entschuldigen. Vor allem der Polizist, der zu früh das

Einsatzsignal gab. Der Mann tut Carsten Tsara Leid. Er kann ihm ja nicht sagen, dass er die Situation völlig richtig erfasst hatte. Carsten Tsara lacht noch einmal laut.

,,Ich bin ein Genie!", ruft er, als sie am Arabellapark ankommen. Der Taxifahrer nimmt das Geld und fährt schnell weg. Er ist erleichtert, dass er den verrückten Fahrgast los ist.

Wo ist der Uberwachungswagen? Der Detektiv sieht sich um. Ach, da drüben. Wieso steht er auf der falschen Seite des Bürogebäudes? Dieser Eddi ist scheinbar doch nicht ganz so intelligent, wie er aussieht. Na, egal! Carsten Tsara will sich seine gute Laune heute durch nichts mehr verderben lassen.

Eddi hat ihn schon gesehen und öffnet die Schiebetür des Kleinbusses.

,,Hallo, Carsten!", ruft er und winkt. ,,Du siehst so fröhlich aus. Ihr habt den Blödmann gerettet, oder?" ,,Stimmt", sagt Carsten Tsara, während er die Schiebetür hinter sich schlieBt und sich in den freien Sitz fallen lässt. ,,Und du? Hast du auch schön an deiner Arbeit geschrieben?"

,,Keine einzige Zeile, Mann! Ich hab den ganzen Tag Detektiv gespielt. Die Elektronik ist wirklich Spitze. Und gar nicht schwer zu bedienen." Eddi drückt einige Tasten des Computers. Der Monitor wird hell. ,,Pass auf, gleich staunst du! Ich habe den Òóð nämlich in flagranti erwischt. Die Aufnahmen sind erstklassig." ,,Ach, tatsächlich?", sagt Carsten Tsara und unterdrückt ein Grinsen. ,,Na, da bin ich aber gespannt. Lass doch mal sehen!"

Auf dem Bildschirm erscheint ein Büro. Ein Mann im dunklen Anzug sitzt am Schreibtisch und tippt etwas in seinen Computer ein. Die Bürotür öffnet sich. Eine attraktive junge Frau kommt herein und sperrt die Tür ab. Der Mann steht auf. Die beiden umarmen und küssen sich. Sie gehen dabei langsam in die Knie und verschwinden hinter dem Schreibtisch. ,,Moment mal! Der Ton ist noch nicht eingeschaltet", sagt Eddi und dreht an einem Regler. ,,Dieses Richtmikrofon ist toll. Da sind immerhin vierzig Meter Entfernung und eine Glasscheibe dazwischen. Hör mal, die Tonqualität ..." Aus den Lautsprechern sind eindeutige Geräusche zu hören. ,,Na, was sagst du jetzt?" Carsten Tsara möchte am liebsten laut loslachen, aber Eddi sieht ihn so begeistert an, dass er es einfach nicht übers Herz bringt.

,,Okay, Eddi, der Mann da ist um die 40, er hat 'ne Halbglatze, 'nen Schnurrbart, und er trägt 'nen dunklen Anzug. Und es ist auch das dritte Büro von links. Aber leider in der falschen Etage. Der Òóð, den wir beobachten sollen, sitzt nicht im ersten Stock, sondern im Erd-geschoss."

,,Dies ist das Erdgeschoss", antwortet Eddi.

,,Nein, das Erdgeschoss sieht man nur von der anderen Seite. Du hast nicht bemerkt, dass das Gebäude auf einem Hanggrundstück steht. Mach dir nichts draus!

Solche Fehler passieren jedem Anfänger mal."

,,Na, dann hör mal genau zu", sagt Eddi und regelt den Ton noch etwas lauter. Hinter dem Schreibtisch erscheint ein Männerarm mit einem Damenslip, und eine weibliche Stimme kichert:

,,Aber Herr Köberlein! Was machen Sie denn da?" Carsten Tsara will es noch nicht verstehen. Er schüttelt langsam den Kopf.

,,Was? ... Wie? ..."

,,Was man von der anderen Seite aus sieht, ist das Untergeschoss", sagt Eddi. ,,Glaub's mir, Junge! Ich war drin und hab alles genau überprüft."

,,Dann hab ich also zwei Wochen lang den falschen Mann beobachtet?", stöhnt der Detektiv. Eddi klopft ihm freundschaftlich auf die Schulter. ,,Komm, Junge, mach dir nichts draus! Solche Fehler passieren jedem Profi mal."

 

Von einem Anfänger geschlagen zu werden ist nicht schön. Von seiner Chefin für eine Arbeit gelobt zu wer­den, die man gar nicht selbst gemacht hat, ist auch nicht besser. Aber einer einsamen Frau zeigen zu müssen, wie ihr Mann sie mit einer anderen betrügt, das ist wirklich schlimm.

Es ist kurz nach zehn Uhr. Carsten Tsara hat fur heute die Nase voll. Er will nur noch nach Hause, er will duschen, einen Film mit den Marx Brothers angucken und dann endlich ins Bett gehen.

Dass Ursula sich nicht meldet! Was ist mit ihr und Herbert? Hat sie sich nun endlich von ihm getrennt? Warum ruft sie denn nicht an? Müde steigt er die Treppe zu seiner Wohnung hinauf. Vom letzten Treppenabsatz aus sieht er, dass an seiner Tür ein Briefkuvert steckt. Sie war da! Sie wollte zu ihm! Wie wunderbar! Seine Müdigkeit ist weg. Er läuft die letzten Stufen hi­nauf, nimmt den Umschlag und reißt ihn schnell auf. ,Pech gehabt, Herr Tsara! Ich arbeite bei der ALMINIA-

Versicherung und kann jedes Autokennzeichen sofort überprüfen. Wenn Sie mal eine günstige Versicherung brauchen, bin ich gerne behilflich. Ihre Strafe zahlen Sie aber bitte selbst'

Tsara zerknüllt den Strafzettel und die Visitenkarte und wirft beides in den Abfalleimer. Dann drückt er auf die Abfragetaste seines Anrufbeantworters. Da! Ihre Stimme! Endlich!

,,Hallo, Carsten! Sag mal, ist dein Handy kaputt? Hoffentlich hattest du keinen Arger mit den Bullen! ... Du hast alles so toll gemacht! Ich weiß gar nicht, wie ich dir ... Vielen Dank! ... Ubrigens fliegen wir morgen für eine Woche nach Mallorca. Last Minute. Wir wollen in Ruhe über alles reden und ... und ... ich Hebe ihn eben, das weiß ich jetzt... und ... es tut mir Leid, Carsten! Bitte sei nicht böse! Ich melde mich, wenn ich zurück bin, okay?" Carsten Tsara beginnt zu lachen. Er lacht und lacht. Er lacht noch immer, als es ein paar Minuten später an der Wohnungstür klingelt. Er lacht, als er die Tür öffnet. Er lacht, als Eddi mit einer groBen Flasche Champagner die Treppe heraufkommt.

,,Toll, dass du so gute Laune hast!", sagt Eddi. ,,Ich hatte schon befürchtet, dass ..." ,,Dass was?"

,,Ach, nichts! Êî mm, mach den Schampus auf und lass uns anstoßen!" ,,Anstoßen? Auf was denn?"

,,Ich weiß jetzt endlich, was ich nach dem Studium machen werde!"

,,So? Was denn?"

,,Ich will Detektiv werden!"

Carsten Tsara, der für einen Moment aufgehört hatte zu lachen, prustet wieder los. Dann klopft er sich auf die Schenkel und lacht noch lauter als zuvor. Eddi guckt verunsichert.

,,Was ist? Glaubst du mir nicht? Du, ich meine das wirklich ernst!"

Der Korken knallt und fliegt quer durch das Zimmer. Carsten Tsara schenkt zwei Gläser voll und reicht eines Eddi.

,,Also dann! Lass uns anstoßen, Kollege! Auf den Beginn einer wunderbaren Freundschaft!"

 

 

Worterklärungen

 

Kapitel 1

 

das Sandelholz, -er - Holz aus Asien, riecht besonders gut; wird in Parfüms verwendet

der Geruch, -e - was man mit der Nase riecht

schätzen - meinen, glauben, vermuten

frustriert - unzufrieden, traurig

die Wohngemeinschaft, -en - mehrere Personen, die keine Familie sind und zusammen in einer Wohnung / einem Haus leben

eifersüchtig sein -Angst haben, durch jemand anderen eine Person zu verlieren, die man liebt

das Olgemälde, - mit Olfarben gemaltes Bild

das Handy, -s - mobiles Telefon; Telefon, das man überallhin mitnehmen kann

der Flur, -e - Vorraum in einer Wohnung. Von hier aus kann man in die einzelnen Zimmer gehen.

das Schnarchen - Geräusch, das manche Leute im Schlaf beim Atmen machen (grrchsgrrrchgrrch)

der Strafzettel - So ein Papier bekommt man von der Polizei, wenn man falsch geparkt hat. Man muss dann Geld bezahlen.

Fluchen - laut schimpfen

die Politesse, -n - Frau, die der Polizei hilft aufzupassen, dass die Autos richtig parken

die Windschutzscheibe, -n - großes Fenster vorn am Auto

Geld wie Heu haben - sehr viel Geld haben

(Redewendung)

 

Kapitel 2

 

das Croissant, -s - französisches Gebäck, das man zum Frühstück oder zum Kaffee isst

an etwas schnuppern - vorsichtig an etwas riechen

mollig - ein bisschen dick

das Detektivbüro, -s - private Firma, in der Leute arbeiten, die Verbrechen aufklären; sie gehören nicht zur Polizei

der Fall, -e - hier: die Sache, um die es gerade im Detektivbüro geht

etwas herausbekommen - Informationen entdecken

das Parterre - Erdgeschoss

ohne Unterbrechung - ohne Pause

beschatten - jemanden beobachten, ohne dass diese Person es bemerkt

 

Kapitel 3

 

wenn es nach Verena Müller ginge - wenn nur die Meinung von Verena Müller wichtig ware

der Stau, -s - viele Autos auf der Straße, die gar nicht oder nur langsam fahren können

flitzen - sich sehr schnell bewegen; sehr schnell fahren

die Blechlawine, -n - sehr viele Autos, die gleichmäßig in dieselbe Richtung fahren

mit den Fingern (herum)trommeln - mit den Fingern klopfen, weil man nervös ist

kündigen - seine Arbeit bei einer Firma beenden

der Quatsch - Unsinn

(umgangssprachlich )

die Schlafmütze, -n - hier: eine Person, die sehr langsam ist

 

Kapitel 4

 

Zittern - der Körper bewegt sich schnell und ohne Kontrolle

die Träne, -n - läuft beim Weinen aus dem Auge

Himmel noch mal! - Ausdruck des Argers (hier: über sich selbst)

(umgangssprachlich; Redewendung)

der Minderwertigkeits-komplex, -e - jemand denkt von sich, dass er nichts wert ist

ein geborener Verlierer - jemand, der nie Glück hat

einsehen - erkennen, verstehen, glauben

sympathisch - nett, angenehm

sensibel - mit viel Gefühl

stinkfaul - sehr faul, will nicht arbeiten

prügeln - schlagen, hauen

kapieren (umgangssprachlich) - verstehen

jemanden ausnutzen - jemanden nur zu seinem eigenen Vorteil benutzen

das Gefängnis, -se - Gebäude, in das die Polizei Kriminelle bringt

 

Kapitel 5

 

das Geheule - starkes Weinen (negaljv)

idiotisch - sehr dumm

durchdrehen - verrückt werden

alle Probleme sind gelöst - es gibt keine Probleme mehr

Ich krieg die Krise! - Das regt mich sehr auf.

(umgangssprachlich; Redewendung)

die Glatze, -en - ohne Haare auf dem Kopf

der Schnurrbart, -e - kleiner Bart über dem Mund

das Uberwachungsmobil, -e - Fahrzeug, aus dem ein Detektiv Verbrecher beobachtet

der Laptop, -s - kleiner Computer, den man tragen kann

die Spionagetechnik, -en - technische Mittel, die ein Detektiv für seine Beobachtungen braucht

das Fernglas, -er - Gerät, mit dem man sehr weit sehen kann

 

Kapitel 6

 

die Mahnung, -en - Nachricht, dass man eine Rechnung endlich bezahlen soll

die Schlange, -n –

das (Ge-)Hirn, -e - der Teil des Kopfes, mit dem man denkt

der Schokoriegel - Stück Schokolade, das einzeln verpackt ist

knallrot - sehr rot

die Anweisung - Hinweis, was getan werden soll

die Erpressung, -en - ein Verbrecher sagt, dass er etwas Schlimmes machen wird, wenn er bis zu einem genannten Termin kein Geld bekommt

 

Kapitel 7

 

die Kriminalpolizei - Spezialpolizei, die Verbrecher sucht

der Kommissar, -e - leitender Mitarbeiter der Kriminalpolizei

Warum lasse ich mich darauf ein? - Warum mache ich so etwas?

Abgesperrt - verschlossen, zu

So ein verdammter Mist! - Ausdruck des starken Argers (wenn etwas nicht funktioniert)

(Slang; Redewendung)

Piepsen – klingeln

 

Kapitel 8

 

Alles paletti! - Es ist alles klar! Es ist alles gut!

(umgangssprachlich; Redewendung)

Keine Ahnung! - Ich weiß es nicht!

(Redewendung)

(jemandem) etwas ausrichten - (jemandem) etwas sagen; jemanden über etwas informieren

Begreifen – verstehen

der Karneval - ein Fest vor Ostern: die Leute verkleiden sich, sind lustig, es gibt viel Musik und Gesang

im Hintergrund - leise, so dass man es nicht genau versteht

 

Kapitel 9

 

der Wühltisch, -e - Tisch im Kaufhaus, auf dem viele besonders billige Kleidungsstücke liegen

Keine Panik! (umgangssprachlich, Redewendung) - Mach dir keine Sorgen!

ein Schnäppchen, - ein besonders günstiger Kauf

verschwinden - weggehen

die Kripo - kurzes Wort für Kriminalpolizei es gibt

der Riese, -n - ein sehr groBer Mann

das Gedränge - sehr viele Menschen, sehr nah/eng beieinander

das Jagdfieber eilig - Lust, jemanden zu jagen schnell

ihm wird schwindelig - ihm geht es schlecht, er kann nicht mehr gerade laufen, alles dreht sich vor seinen Augen

das Feuerzeug, -e - damit zündet man z.B. eine Zigarette an

die Sprinkleranlage, -n - Anlage in Kaufhäusern oder großen Gebäuden, die automatisch Wasser verspritzt, wenn in dem Haus irgendwo Feuer oder Rauch ist

 

Kapitel 10

 

der Irre - der Verrückte

die Ohnmacht - jemandem ist so schlecht, dass man hinfällt und nichts mehr denken kann

berühren – anfassen

das Einsatzsignal - Zeichen der Polizei, dass man den Verbrecher fassen muss

erfassen - verstehen, beobachten, sehen

jemanden in flagranti erwischen - jemanden direkt während des Verbrechens beobachten

erstklassig - ganz toll

eindeutig - etwas kann nur eine einzige Bedeutung haben

etwas nicht übers Herz bringen - sich nicht entschließen können, etwas zu tun, weil man jemanden gern hat

(Redewendung)

das Untergeschoss, -e - Stock unter dem Erdgeschoss

Mach dir nichts draus! - Argere dich nicht über deinen Fehler! Es ist nicht so schlimm.

(Redewendung)

 

Kapitel 11

 

Einsam - sehr allein

(jemanden) betrügen - jemanden täuschen, hier: Ehebruch begehen

die Nase voll haben - genug von etwas haben, keine Lust mehr haben

(umgangssprachlich; Redewendung)

der Bulle, -n (Slang) - Polizist

anstoßen auf etwas - Zwei oder mehr Personen trinken bei einer besonderen Gelegenheit zusammen ein alkoholisches Getränk. Vor dem ersten Schluck stoßen sie ihre Gläser leicht aneinander und wünschen sich etwas Gutes.

losprasten (umgangssprachlich) - laut lachen

sich auf die Schenkel klopfen - sich auf den oberen Teil der Beine hauen, weil man laut lachen muss

der Korken, - Verschluss einer Champagner-/ Sekt- / Weinflasche

wunderbar - sehr schön; ganz toll

 

Aufgaben zum Text

 

Kapitel 1

A Richtig (r) oder falsch (f)? Kreuzen Sie an.

r f Die Geschichte spielt im Winter.

r f Carsten Tsara wacht am späten Nachmittag auf.

r f Er hat im Kino eine Frau kennen gelernt und ist mit ihr nach Hause gegangen.

r f Hinter einer Tür sitzt ein junger Mann vor einem Monitor.

r f Carsten hofft, dass der reiche Mercedes-Besitzer seinen Strafzettel bezahlt.

 

 Kreuzen Sie an. Was bedeutet...?

Geld wie Íåu haben (S. 5, Zeile 33)

a wenig oder kein Geld haben

b viel Geld

c das Geld in der Matratze verstecken

 

Kapitel 2

A Diese Sätze fassen das Kapitel zusammen. Bringen Sie sie in die richtige Reihenfolge.

Probleme im Fall Köberlein

Frühstück im Büro

Carsten möchte eine interessantere Arbeit.

Die Detektivin Verena Müller

 

 Wie ist das Verhältnis zwischen Carsten Tsara und Verena Müller? Kreuzen Sie an.

distanziert liebevoll freundschaftlich

feindlich herzlich rein berufiich

 

Ñ Kreuzen Sie an. Was bedeutet...?

,,Das gibt's ja wohl nicht." (S. 6, Zeile 1)

a ,,Ich bin überrascht, weil etwas passiert ist, was ich für unmöglich hielt."

b ,,Ich möchte das nicht."

ñ ,,Ich gebe das nicht her."

jemanden verrückt machen (S. 7, Zeile 4/5)

a eine Person mit einer Krankheit anstecken

b jemanden oft mit etwas belästigen

ñ jemand tut etwas ganz Ungewöhnliches

,,Das ist nichts für mich." (S. 7, Zeile 23)

a ,,Die Sache gehört mir nicht."

b ,,Ich möchte auch etwas davon."

ñ ,,Ich möchte das nicht machen/haben."

 

Kapitel 3

A Welche Wörter zeigen, dass Carsten Tsara schlecht gelaunt ist?

\ /

schlechte Laune

 

 Das ist bisher passiert. Bringen Sie die Sätze in die richtige Reihenfolge.

Am nächsten Morgen wacht Carsten früh auf.

Carsten findet es langweilig, Herrn Köberlein zu beobachten. Er möchte eine interessantere Arbeit.

Carsten Tsara lernt im Kino Ursula kennen.

Als er später im Auto sitzt, ruft Ursula an und bittet ihn um Hilfe.

Er muss aber weiter Herrn Köberlein beschatten.

Er schreibt seine Handynummer auf und geht in das Detektivbüro.

Nach einem Kaffee und einem Spaziergang gehen Ursula und Carsten in Ursulas Wohnung.

Seine Chefin Verena Müller merkt sofort, dass Carsten eine neue Liebe hat.

 

Ñ Was meinen Sie: Was ist bei Ursula passiert? Welche Fortsetzung finden Sie realistisch? Kreuzen Sie an.

Das Gemälde mit den Zitronen ist gestohlen worden.

Ursulas Freund ist in Schwierigkeiten.

Verena Müller ist eifersüchtig auf Ursula und hat sie bedroht

 

Kapitel 4

A Richtig oder falsch? Kreuzen Sie an.

r f Carsten weiß die Namen von Ursulas Mitbewohnern und Freund nicht mehr. Das ärgert ihn.

r f Carsten mag Eddi nicht, weil er direki seine Meinung sagt.

r f Eddi glaubt, Herbert nutzt Ursula aus.

 

 Kreuzen Sie an. Was bedeutet...?

... denen sie sagen kann, wo's langgeht." (S. 11, Z. 26/27)

a ... denen sie den Weg beschreiben kann.

b ... mit denen sie lange Spaziergänge machen kann.

ñ ... die machen, was sie möchte.

 

 

Ñ Herbert wird sehr negativ beschrieben. Notieren Sie Stichworte.

 

Minderwerftichkeitskomplexe

 

 

D Was sagt Ursula dazu?

 

Eddi Ursula
,,Herbert hat Minder-wertigkeitskomplexe und ist der geborene Verlierer."  
,,Herbert hat jede Woche einen anderen Job."  

 

 

Kapitel 5

A Woher weiß Ursula, dass Herbert eine Dummheit begeht, etwas Kriminelles unternimmt?

 

 Sie kennen jetzt alle wichtigen Personen dieser Geschichte. Welche Aussage passt zu wem? Manche Aussagen passen auch zu zwei Personen.

a arbeitet bei Verena Müller

b arbeitet jeden Tag 9 Stunden in einem Büro

ñ bleibt zu Hause und macht Telefondienst

d ist blond

e ist Carstens Chefin

f ist Detektiv

g fährt in Herberts Wohnung

h hat hohe Schulden

i ihr Parfüm duftet nach Sandelholz

j ist in Ursula verliebt

ê schreibt an seiner Diplomarbeit

1 übernimmt Carstens Uberwachungsjob

m ist Ursulas Freund

n ist Ursulas Mitbewohner

î ist auf ihren Mann eifersüchtig

p ist Zahnarzthelferin

 

Carsten Tsara  
Eddi
Frau Köberlein  
Heinz  
Herbert
Herr Köberlein  
Ursula  
Verena Müller

 

Ñ Was bedeutet...? Ordnen Sie die Ausdrücke mit gleicher Bedeutung einander zu.

 

a Jetzt dreht er durch. der Mann
b Ich krieg die Krise! Toll!
ñ der Òóð Er wird verrückt.
d Stark! Schauen
e mit einem Schlag Ich werde verrückt!
f einen Blick werfen auf einmal

 

D Was hofft Carsten in Herberts Wohnung zu finden?

 

Kapitel 6

A Achtung Fehlerteufel! Korrigieren Sie noch 7 Fehler in dieser Zusammenfassung.

 

Herberts Wohnung ist sehrVordentlich, und Carsten und Verena finden zunächst nichts. Carsten schaltet den Computer an und entdeckt, dass es dort so unordentlich ist wie sonst bei Heinz. Ursula ist schon enttäuscht, aber schlieBlich findet Carsten unter den wenigen gelöschten Dateien den Erpresserbrief. Jetzt wissen sie, dass Herbert jemanden mit vergifteten Erdnüssen erpresst. Sie wissen aber, wem und auch wann und wo der Schokoriegel übergeben wird.

 

 

 Was meinen Sie? Liebt Ursula Carsten? Warum?

 

Kapitel 7

A Richtig oder falsch? Kreuzen Sie an.

r f Carsten geht zur Polizei.

r f Andreas Gastl soil Carsten Tsara helfen.

r f Er hat ihm erst einmal geholfen.

r f Carsten Tsara bleibt auf einer Bank im Flur sitzen und überlegt.

r f Tsara will wieder gehen, überlegt es sich dann aber anders.

r f Er klopft und will die Tür zu Gastls Büro öffnen.

r f Tsara freut sich, dass Gastl nicht in seinem Büro ist.

 

 Mit wem telefoniert Tsara? Wohin fährt er jetzt?

 

Kapitel 8

 

A Richtig oder falsch? Kreuzen Sie an.

r f Herbert hat angerafen und wollte Ursula sprechen.

r f Er hat von einer Telefonzelle aus angerufen.

r f Ursula war nicht zu Hause.

r f Herbert hat eine Nachricht für Ursula hinterlassen.

r f Herbert ist auf einer Party. Es ist 23 Uhr.

r f Es ist Karnevalszeit.

 

 Warum sagt Heinz ,,es klang wie Karneval"?

 

 

Ñ Kombinieren Sie selbst: Wen hat Herbert erpresst und

wo ist er jetzt? Ein Tipp: Lesen Sie den Anfang von Kapitel 3 noch einmal.

 

Kapitel 9

 

Heinz Andreas Gastl Carsten Tsara
Ursula Herbert Polizist mit Lederjacke

 


A Ordnen Sie die Namen den Figuren in der Zeichnung zu.

 

 Ergänzen Sie die Liicken.

Carsten, Heinz und Ursula fahren zum________________

TOPSTAR, das sein______ _. Jubiläum feiert. Menschenmassen

drängen sich um die______________________ . Heinz will

aufgeben, aber Carsten glaubt, dass die Chancen gar nicht
so__________________ sind, weil eine_______________

Plastiktüte hier sehr auffällig ist. Heinz soll im
__________ suchen, Ursula im________

und Carsten bleibt im

C Achtung Fehlerteufel! Korrigieren Sie noch 3 Fehler in dieser Zusammenfassung.

Carsten achtet nicht auf die Sonderangebote und sieht sich die Leute sehr genau an. Keiner hat eine bollrjlauc Plastiktüte. Carsten erkennt einen Mann als Polizisten, den er auch schon bei der Polizei gesehen hat und der sich mit anderen Männern unterhält. Herbert hat keine Chance, weil sehr viele Polizisten im Kaufhaus sind. Carsten sucht jetzt nach seinem Freund Eddi Gastl und entdeckt ihn, als ein großer Mann ihm auf die Füße tritt. Dann entdeckt er auch den überbringer des Geldes mit einem braunen Lederkoffer.

 

 

D Richtig oder falsch? Kreuzen Sie an.

r f Herbert macht einen selbstsichercn Eindruck.

r f Carsten weiß, dass er schnell handeln muss.

r f Carsten wird schwindelig, weil cr heute Morgen in ein Croissant gebissen hat.

r f Herbert möchte mit seinem Feuerzeug ein Päckchen anzünden.

r f Carsten verhindert, dass Herbert das Päckchen anzündet.

r f Carsten sagt Herbert, dass er weggehen soll,

r f Carsten wird ohnmächtig.

 

 

E Was meinen Sie? Was ware wohl passiert, wenn die Rauchbombe tatsächlich Feueralarm ausgelöst hätte?

 

 

F Was passiert mit Herbert? Kreuzen Sie an.

Die Polizei hat ihn gesehen und verhaftet ihn.

Es passiert ihm gar nichts.

Er geht zur Polizei und erzählt, was er getan hat.

 

G Und was passiert mit Carsten? Kreuzen Sie an.

Zuerst wird er ins Krankenhaus gebracht, dann verhaftet ihn die Polizei, und später muss er ins Gefängnis.

Er wird von der Polizei verhört. Er kann dann wieder nach Hause gehen.

Die Polizei lässt ihn laufen, als er verraten hat, dass Herbert der Erpresser ist.

 

 


Date: 2016-01-14; view: 324


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