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Uuml;BERSETZUNGSTHEORETISCHE ANSÄTZE IM ALTERTUM

Die Geschichte des Übersetzens und Dolmetschens in den verschiedenen Menschheitsepochen und Sprachräumen vom ägyptischen Reich bis in unsere Zeit ist bis heute nicht ausreichend erforscht.

Obgleich das Übersetzen oft als eine der äl­testen Tätigkeiten der Menschheit bezeichnet wird, ist die Geschichte der Translation (Übersetzen und Dolmetschen) eine eher junge Forschungsströmung. Zwar wurden schon in der Vergangenheit Schriften über das Übersetzen verfasst, wobei bereits bestehende Übersetzungen durchaus in Betracht gezogen wurden, aber erst in jüngerer Zeit hat sich ein systemati­scher Ansatz zur Erforschung der Translationsgeschichte herausgebildet. Besonders seit den 80er Jahren sind sich Translationswissenschaft­ler der Notwendigkeit historischer Untersuchun­gen bewusst geworden und haben begonnen, ad­äquate Methoden und Parameter zu erarbeiten.

Die Geschichte der Translation wirft Licht auf Übersetzer, die häufig ein Schattendasein geführt haben, und verhilft sowohl Berufsüber­setzern als auch der Allgemeinheit zu einem besseren Verständnis dafür, welchen Beitrag die Übersetzer durch sämtliche Epochen hin­durch zur Entfaltung des Geisteslebens gelei­stet haben.

An erster Stelle muss man darauf hinweisen, dass es relativ schwierig ist, einen gut gegliederten historischen Überblick über die Geschichte des Übersetzens und des Dolmetschens zu erarbeiten, denn „…eine Geschichte der Übersetzung aller Länder und Zeiten gibt es noch nicht“ (Mounin). Diese Behauptung Georges Mounins aus den 60-er Jahren hat bis heute ihre Relevanz bewahrt – einheitliche Werke zu Geschichte des Übersetzens gibt es auch heute nicht. Verschiedene übersetzungstheoretische Werke, in denen auch Geschichtliches nachzulesen gibt, liefern teilweise widersprüchliche Angaben und Schlussfolgerungen. Es wird kein chronologisch gegliederter Überblick angeboten, sondern eher Einzelbeispiele übersetzungswissenschaftlich relevanter Daten. Ebenfalls ist es auffällig, dass historische Forschung zur Geschichte des Übersetzens sich mehrheitlich auf den europäischen Kulturkreis konzentriert – es ist somit noch schwieriger, Daten über die übersetzerische Tätigkeit im alten China oder im arabischen Kulturkreis ausfindig zu machen. Der spärliche Informationsbestand zur Geschichte des Übersetzens ist wohl der Tatsache zu "verdanken", dass Fakten in historischen Quellen selten vorhanden sind – für die Chronisten stand der Übersetzer nie im Mittelpunkt ihrer Aufmerksamkeit.

Die Geburtsstunde der Schrift ist auch diejenige der Geschichtsschreibung und eng damit verknüpft ist auch die Geschichte des Übersetzens: bei archäologischen Grabungen wurden 4500 Jahre alte, zweisprachig sumerisch-hebräische Vokabellisten auf Steintafeln gefunden. In jüngerer Vergangenheit hat das Christentum dem Übersetzen weiteren Auftrieb gegeben, weil es den verschiedenen Völkern Zugang zu den biblischen Texten in ihren Muttersprachen verschaffen wollte. Damit hat das Christentum dazu beigetragen, Sprachen wie Englisch, Französisch, Deutsch und Schwedisch festzulegen, und diese Übersetzungen haben auch die Entstehung des Gefühls nationaler Einheit gefördert.



Die Anfänge des Übersetzens reichen also bis zur Erfindung der Schrift zurück. Die älteste Form des Schreibens, die sumerische Keilschrift, ent­stand in Mesopotamien. Solche Schriftzeichen erscheinen neben weiteren alten Schriftformen in zwei- und dreisprachigen Wortlisten auf 4500 Jahre alten Tontafeln, die bei Ausgrabun­gen zutage gefördert wurden.

Aufgrund der allgemeinen geschichtlichen Erkenntnisse kann man allerdings davon ausgehen, dass die ersten Dolmetscher bzw. Übersetzer vor allem im Zuge kriegerischer Auseinandersetzungen, bei der Verwaltung besetzter Gebiete, beim Handel sowie bei der Religionsausübung und später auch bei Übertragung wissenschaftlicher und literarischer Texte ihre Verwendung fanden. „Seit die Menschheit in verschiedenen Zungen redet, als seit dem Turmbau zu Babel, gehört das Übersetzen zu den unentbehrlichen Tätigkeiten des Menschen; im politischen wie im gesellschaftlichen Verkehr, bei Krieg und Raubzug wie beim friedlichen Reisen und Handeln, und vor allem bei der Übermittlung von Philosophie, Wissenschaft und Dichtung“ (Störig). So werden Heeresdolmetscher in den Armeen des alten Roms bzw. in den Heeresscharen Karthagos zwecks Kapitulationsverhandlungen oder Friedensgesprächen mit dem Feind eingesetzt (Salevsky).

Vor allem das letzte Betätigungsfeld der Übersetzenden erscheint uns sehr interessant, denn bei den ältesten noch erhaltenen Übersetzungen handelt es sich vorwiegend um Texte religiösen Charakters. „Die Religion, genauer die Ausbreitung des Christentums, ist weiterhin zugleich Ursache und wichtigste Triebkraft übersetzerischer Tätigkeit“ (Mounin). Dies hat vor allem mit dem missionarischen Wesen der führenden monotheistischen Religionen zu tun. Um die eigene Religion verbreiten zu können, war auch die Übersetzung der sakralen Dogmen für andere Kulturkreise vonnöten.


Date: 2016-01-05; view: 151


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Translation – eine Wissenschaft? Diskrepanz zwischen Theorie und Praxis des Übersetzens | Religiöse Übersetzung
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