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Theoretische Grammatik

Zur Geschichte der Entstehung der grammatischen Lehre

 

Das Wort „Grammatik“ ist altgriechischer Herkunft und bedeutete „Buchstabe“ oder „Rechtschreiben“ (grammatikē).

Zur Zeit hat dieses Terminus einige Bedeutungen:

1) die Gesamtheit aller grammatischen Formen und ihrer Bedeutungen, und

2) die Lehre darüber, d.h. der Sprachbau.

Unter dem Sprachbau verstehen die Gelehrten die Regeln des Aufbaus von verschiedenen Spracheinheiten, z.B. der Wörter, der Wortgruppen, der Sätze und Texte. So kann man feststellen, dass die Grammatik es mit verschiedenen Ebenen der Abstraktion zu tun hat. Die Quellen der modernen europäischen Grammatik stammen aus den altgriechischen und altrömischen Grammatiken und Traditionen. Die erste Grammatik, die in der Linguistik bekannt ist, gehört dem altgriechischen Gelehrten Panini (das IV. Jh. vor unserer Zeitrechnung). Sehr bekannt sind die Grammatiken von altrömischen Gelehrten wie Aristotheles. Die europäischen Grammatiken wurden nach der Art der lateinischen und altgriechischen Grammatiken aufgebaut. Die ersten Gramatiken für die deutsche Sprache wurden vom XVI. bis XVIII. Jh. geschaffen. Die bekanntesten Autoren sind Schottelius, Adelung u.a.

Heutzutage gibt es verschiedene Arten der Grammatiken. Die ersten Grammatiken waren empirisch. Es wurden sehr ausführlich verschiedene Details gesammelt und beschrieben. Sie waren noch diachronischen Charakters. Vorwiegend hat man lautliche Entsprechungen von verschiedenen grammatischen Kategorien in verschiedenen Zeitperioden des Deutschen gegenübergestellt. Solche Autoren wirkten auf diesem Gebiet: Otto Erdmann, Hermann Paul, Otto Behaghel. Es gibt eine 5bändige Grammatik von H.Paul, wo Grammatik gerade auf solche Weise beschrieben wurde. Diese Grammatiken existierten am Ende des XIX. und Anfang des XX. Jhs. und stammten von den sogenannten Junggrammatikern. Diese Schule postulierte als Hauptprinzip folgendes: nur das kann als wissenschaftlich gelten, was geschichtlich erforscht wird. Die gegenwärtige Lage der Sprache interessierte sie nur bloß als letzte Etappe in der geschichtlichen Entwicklung.

Im XVIII. Jh. entstand in der Entwicklung der Grammatik der deutschen Sprache eine andere Richtung, die von Karl Franz Becker gegründet war. Es ist eine logische Richtung, die mit der mittelalterlichen Grammatik von Port-Royal zusammenhängt. Becker hat als erster 5 Satzglieder: Subjekt, Prädikat, Attribut, das Adverbiale (= Adverbialbestimmung), Objekt ausgesondert. Diese Klassifikation herrscht bis zur Zeit in den Schulgrammatiken und allen normativen Grammatiken in ganz Europa.

In obenerwähnten Grammatiken hat man alle grammatischen Kategorien vorwiegend als Einzelheiten behandelt, obwohl schon damals einige Einsätze existierten, die ganze Sprache, wie auch Grammatik als System darzustellen.

Als erster Vorläufer des grammatischen Strukturalismus in Deutschland darf wohl der Zeitgenosse der Junggrammatiker John \Ries gelten. Im Jahre 1894 entsteht sein Werk „Was ist Syntax“, 1928 – das Werk „Zur Wortgruppenlehre“, 1933 – „Was ist ein Satz“. In diesen Werken betrachtete er das Verb als Zentrum aller syntaktischen Einheiten und baute auf diese Weise eine systemhafte Syntax auf. Zu dieser Zeit entstanden auch die Werke von Leo Sütterlin, der als Nachfolger von J.Ries betrachtet werden kann.



In den fünfziger Jahren unseres Jahrhunderts rückten in den Vordergrund wieder die Probleme der systemhaften Syntax in solchen Werken wie z.B. „Die Syntax des Satzes“ von H.Glinz. Dann entstanden die Werke ähnlicher Art von Paul Grebe. Die Gelehrten maßen eine große Bedeutung solchen Besonderheiten der deutschen Sprache wie Rahmenkonstruktionen des Satzes bei, indem sie den deutschen Satz als Spannfeld betrachteten und charakterisierten.

Dem synchronischen Studium des deutschen Satzes ist auch Erich Drachs Buch „Grundgedanken der deutschen Satzlehre“ (1937) gewidmet. Seine Satztheorie ist vor allem eine kommunikative Theorie, die als Lehre der „aktuellen Gliederung des Satzes“ weiterentwickelt wird.

Drachs kommunikative Satztheorie, seine Gedanken über die Spannung im Satz und über die grammatischen Mittel ihrer Aufrechterhaltung sowie eine Lehre von den Satzplänen wurden in der neueren Zeit weiterentwickelt, so vor allem von Karl Boost.

Also, wir haben fünf Arten (Richtungen) in der Entwicklung deutscher Grammatik erwähnt:

1) Grammatik empirischer Art;

2) Grammatik diachronischer Art;

3) Grammatik logischer Art;

4) grammatische Werke des systemhaften Charakters;

5) Syntax.

Aus allem Vorstehenden kann man folgende Schlussfolgerungen ziehen: Entsprechend den Zielen und Aufgaben existieren zur Zeit verschiedene Typen der Grammatik:

a) deskriptive, normierende Grammatiken. Das sind Schulgrammatiken. Sie beschreiben möglichst genau bestimmte Gebiete der Morphologie und der Syntax. Dabei können sie verschiedenen Aufbau haben. Sie können mit den kleinsten Einheiten der Sprache (Morpheme) oder mit den größten (Texte) anfangen. Ihr Ziel: alles genau zu beschreiben und zu normieren.

b) es gibt noch generative Grammatiken. Sie stammen von dem amerikanischen Gelehrten Naum Chomsky (1947). Der Autor ist der Meinung, dass jede Sprache über eine nicht große Anzahl der Tiefenstrukturen verfügt, aus welchen alle übrigen Satzstrukturen abgeleitet werden können.

John lebt. →

John lebt in Amerika. →

John lebt in Amerika schon lange. →

Der schwarze John, den ich gut kenne, lebt in Amerika schon lange und schafft dort hervorragende Werke.

Wir können aus einem einfachen Satz verschiedene Sätze ableiten, generieren, und umgekehrt.

c) in unserer Zeit entstehen kommunikative/funktionale Grammatiken, in welchen grammatische Einheiten in ihrem Funktionieren in der Rede verfolgt und analysiert werden. Dabei sind die Gelehrten zur Überzeugung gekommen, dass die Bedeutung der grammatischen Einheiten im Text sehr modifiziert wird. Sie wird von der Umgebung beeinflusst und variiert. Es gibt solche Grammatik, die von Harald Weinrich (München – Zürich, 1993) geschrieben wurde: „Textgrammatik“. Dort wurden nur Dialoge analysiert.

Die Sprache als ein System und die Grammatik als eines der Subsysteme

 

Dass die Sprache ein System ist, setzte sich besonders krass nach dem Erscheinen des Werks von Ferdinand de Saussure „Êóðñ îáùåé ëèíãâèñòèêè“ (1916) durch.

Unter einem System versteht man die Gesamtheit von Elementen, die in bestimmte Beziehungen zueinander treten und neue Bedeutungen in diesem Zusammenhang erhalten. Die Sprache ist kein einheitliches System. Es besteht aus einigen Subsystemen, die im Großen und Ganzen den Hauptebenen der Sprache entsprechen, d.h. Phonologie, Morphologie, Lexik. Diese Einteilung der Sprache in verschiedene Subsysteme geschieht aus methodologischen Gründen, in Wirklichkeit aber sind alle Ebenen der Sprache miteinander eng verknüpft und wirken miteinander ein.

Die grammatische Systemhaftigkeit offenbart sich darin, dass etwas Regelrechtes oder etwas Gesetzmäßiges in allen Existenzformen der Sprache realisiert wird. Diese Regeln kann man auch empirisch ableiten. So werden verschiedene Typen der Sätze jedesmal gleich aufgebaut.

Die Ebenen der Sprache hängen miteinander zusammen. Besonders eng ist Grammatik mit Lexikologie verbunden. Lexikalische Bedeutung schränkt sehr oft grammatische Kategorien ein.

1) trippeln (s) – ñåìåíèòü, èäòè ìåëêèìè øàãàìè. Im Deutschen betrifft dieses Verb nur die Frauen.

2) von den intransitiven Verben (erhalten, bekommen, gehen usw) kann man kein Passiv bilden.

Die Semantik der Wörter wirkt auf die grammatischen Kategorien ein und wird ihrerseits von grammatischen Kategorien betroffen.

Er hat das Flugzeug geflogen.

Er ist mit dem Flugzeug geflogen.

Grammatik ist eng mit der Stilistik verbunden, weil in verschiedenen grammatischen Einheiten verschiedene Sprachstile zum Vorschein kommen können.

Ich fahr’ morgen nach Berlin.

Tätste mitkommen? (umgangssprachlich: tun im Präteritum Konjunktiv + du).

Grammatik ist sehr eng mit Phonologie verknüpft. Phonologische Regeln können den Sinn des Satzes ändern (verschiedene Intonation).


 

Hauptbegriffe der Grammatik

 

Die Grammatik ist solche Sprachdisziplin, die aus 2 Teilen besteht: 1) die Morphologie, was die Struktur betrifft; 2) die Syntax (altgriechisch) hängt mit dem Wort „Syntagma“ zusammen und bedeutet das, was nebeneinander steht (Wortgruppe) und diese Komponenten beeinflussen einander.

Der Tod an der Grippe.

Während in der Morphologie die Struktur der grammatischen Einheiten erforscht wird, werden in der Syntax Verknüpfbarkeitsmöglichkeiten dieser Einheiten festgestellt.

Der Hauptbegriff der Morphologie ist das Morphem. Man unterscheidet in der Sprache verschiedene Typen von Morphemen, die aber gleich definiert werden: ein Morphem ist die kleinste bedeutungstragende Einheit der Sprache. Die Bedeutung der Morpheme verfügt über verschiedenen Grad der Abstrahierung.

Grammatische Morpheme sind Endungen (Flexionen) der veränderlichen Wortarten. Sie haben die abstrakteste Bedeutung, treten an eine große Menge der Wörter heran und weisen auf die Beziehungen der Wörter in Syntagma oder im Satz hin. In diesem Fall pflegt man nicht über die Bedeutung, sondern über die Funktion zu sprechen.

In manchen Fällen beteiligen sich verschiedene grammatische Flexionen an der Bildung der Formen. Äußere und innere Flexionen verflechten sich. Diese Erscheinung heißt in der Grammatik Pleonasmus.

Grammatische Morpheme: -(e)s, -(e)n, -e, -er, -ens, -(e)m, -sten, -st, -t, -te, ge-, -end, -. Das sind äußere grammatische Flexionen. Zu inneren Flexionen gehören: der Umlaut, der Ablaut, die Brechung, der Konsonantenwechsel, z.B.: Umlaut → Konjunktiv, Präsens der starken Verben, Komparationsstufen, Adverbien, Substantive.

Wortbildende Morpheme besitzen schon nicht mehr abstrakte Bedeutung und treten an kleinere Klasse der Wörter heran. Ihre spezifische Bedeutung erlaubt ihnen nicht, sich mit allen anderen Morphemen zu verknüpfen (wortbildende Suffixe und Präfixe, die neue Wörter schaffen). Wortbildende Morpheme bilden neue Wörter und können vor der Wurzel oder nach der Wurzel stehen. Die Präfixe ändern meistenteils nur die lexikalische Bedeutung und beeinflussen die grammatischen Kategorien nicht: erklären – aufklären, erklären – Erklärung, erklärbar, Erklärer.

Präfixe können trennbar und untrennbar sein. Untrennbar sind: ver-, zer-, be-, ge-, er-, miss-, ent-, emp-, außer-, wider-. Trennbar sind: auf-, an-, zu-, aus-, mit-, bei-, nach-, vor-, über-, hin-, teil-, ein-, statt-, gegenüber-, unter-, durch-, um-, wieder-.

Zu den wortbildenden Morphemen gehören auch Suffixe, die für die bestimmten Redeteile charakteristisch sind.

Wortbildende Morpheme: -er, -ler, -ner, -ling, -e, -in, -ung, -heit, -keit, -schaft, -ei, -chen, -lein, -tum, -nis, -ist, -ant, -ent, -ie, -ion, -tion, -ment (Fundament), -at (Soldat), -et, -ier (Pionier), -eur, -ismus, -tät, -em (Problem), -or, -ik, -um, -ern, -eln (lächeln), -igen (meinigen), -ieren (montieren), -los (sorglos), -lich (begreiflich), -ig, -bar (tragbar, essbar), -haft (fehlerhaft), -isch (russisch), -sam (schweigsam), -en (golden), -ern (hölzern).

Die Anzahl der lexikalischen Morpheme ist in der Sprache bedeutend größer. Sie bezeichnen selbstständige Begriffe. Nach Angaben von J.Erben bildet ihre Anzahl in der Sprache 400 000. Ihre Bedeutung ist konkreter, deshalb ist ihre Anzahl so groß im Vergleich mit der Anzahl anderer Morpheme.

Grammatische Übercharakterisierung ist das eine und dieselbe grammatische Bedeutung, die mit mehreren Mitteln bezeichnet wird.

Manchmal werden die grammatischen Formen durch verschiedene Stämme gebildet. Es ist eine archaische Erscheinung und für die Wortarten charakteristisch, die sehr lange in der Sprache bestehen, z.B. für einige Verben oder Pronomen: Sind alle im Unterricht heute? – Alle sind da. Suppletive Formen: sein-war-gewesen, ich-mein-mir, du-dein-dir, wir-uns, ihr-euch, wir-unser-uns, ihr-euer-euch.

Grammatische Mittel der Wortbildung. Der Übergang der Wörter aus einer Wortart in die andere ist teils eine grammatische und teils eine lexikalische Erscheinung. Das Lexikalische besteht hier darin, dass sich die Bedeutung der Wortart ändert, z.B. Substantive – Verben. Und das Grammatische besteht darin, dass sich alle grammatischen Kategorien der Wörter ändern.

Abgeleitete Wörter werden nach Modellen gebildet: Präfix, Suffix. Sie nehmen eine mittlere Stellung nach der Abstraktheit zwischen grammatischen und lexikalischen Morphemen ein. Wortbildende Morpheme + Wurzelmorphem machen den Stamm des Wortes aus.

-en

lehr -er

-haft

-e


Das Paradigma

In der deutschen Sprache gibt es keine einheitliche Auffassung des Terminus und des Begriffs grammatischer Kategorie. Aber die Wissenschaftler sind darin einig, dass die grammatische Kategorie in Form des Paradigmas existiert.

In der Morphologie spricht man über 3 Arten des Paradigmas:

1) Paradigma der Wortart;

2) Paradigma des Wortes;

3) Paradigma der grammatischen Kategorie.

Es gibt verschiedene Definitionen des morphologischen Paradigmas. Sie werden aber streng in Anlehnung an morphologische Formen, d.h. als Gesamtheit von Satzformen gegeben.

O.I.Moskalskaja schreibt: Unter Paradigma einer Wortart versteht man die Gesamtheit der Wortformen, die den Wörtern der betreffenden Wortart eigen sind. Das Paradigma hat eine Systemcharakter. Alle Wortformen im Paradigma sind aufeinander abgestimmt und stehen einander als Gegenglieder einer Opposition gegenüber:

1) ich rufe, du rufst, er ruft (nach der Person);

2) ich rufe, wir rufen (nach der Zahl);

3) ich rufe, ich rief (nach der Zeit);

4) ich rufe, ich riefe, ich würde rufen (nach dem Genus).

Die Gegenüberstellung der Glieder ist in unserem Fall möglich, weil ihnen eine oder mehrere grammatische Bedeutungen gemeinsam sind und weil sie zugleich im Rahmen einer dieser grammatischen Bedeutungen einander gegenüber stehen, d.h. eine Opposition bilden. In unserem Beispiel ich rufe, du rufst, er ruft sind die Wortformen dadurch vereint, dass sie alle a) finite Formen (Personalformen); b) Formen des Präsens; c) Formen des Singulars sind. Im Rahmen der ersten grammatischen Bedeutung aber sind sie einander gegenübergestellt als Formen der 1./2./3. Person.

Die Paradigmen haben konjugierbare/deklinierbare Wortarten: Substantive, Adjektive, Zahlwörter, Verben, Pronomen.

Wenn irgendwelche Formen im Paradigma fehlen, dann spricht man von den lückenhaften Paradigmen: es schneit, es donnert, es gibt. Sie haben nur eine Form.

Das Paradigma bildet man gewöhnlich von deklinierbaren Wörtern - von der Ausgangsform, die in Wörterbüchern fixiert ist.

Die Formen werden im Deutschen synthetisch und analytisch gebildet. Synthetische Formenbildung der Wörter ist in dem Fall möglich oder zu verzeichnen, wenn innerhalb eines Lexems die grammatische Form angegeben wird, z.B.: Brüdern (¨-, -n) → Synthese. Wenn irgendwelche grammatische Bedeutungen durch einige Lexeme angegeben werden, geht es um eine analytische Formenbildung. Analytische Formen bestehen aus einigen Lexemen, z.B. zusammengesetzte Formen des Verbs: Konditionalis I und II, Infinitiv II, Passiv; bei Substantiven: das Geschlecht (Artikel); bei Adjektiven: Superlative, z.B.: am besten. Je nach dem, welche Formen bei der Bildung der Wörter beteiligt sind, werden die Sprachen in synthetische, analytische oder synthetisch-analytische eingeteilt. Die deutsche Sprache ist synthetisch-analytische Sprache. Was die Bildung der Formen im Deutschen angeht, so nimmt diese Sprache eine mittlere Stellung zwischen dem Englischen und dem Russischen ein.



Date: 2016-01-03; view: 622


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Thema 3 Stilfärbung und stilistische Bedeutung | I. logisch-grammatische Satztypen.
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