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Uuml;bersetzer im Gespräch Agnieszka Kowaluk


„Wo Geist und Witz des Originals nicht zu retten sind, muss man sich mit dem Verlust abfinden. Doch muss und kann man das an anderen Stellen wett machen, wo das Polnische größere Möglichkeiten bietet. Der Übersetzer muss deshalb wohl wachsamer sein als der Autor, der sich bisweilen einfach vom Sprachstrom mitreißen lässt.“

Betrachten Sie Ihre Arbeit als künstlerische Tätigkeit und Ihre Übersetzungen als eigene Kunstwerke?

Ja, denn es ist gerade die Kunst des Übersetzers, denselben Text in einer anderen Sprache entstehen zu lassen, ihn zu „verrücken“, wie Elfriede Jelinek sagt. Und gleichzeitig nein, denn jede Übersetzung ist eine „Verarbeitung“, selbst wenn es Passagen gibt, in denen das Polnische mehr erlaubt, als der Autor sich träumen ließ. Solche Momente sind übrigens sehr wertvoll, weil sie es sind, die die „Ökonomie der Übersetzung“ (Stanisław Barańczak) ermöglichen. Wo Geist und Witz des Originals nicht zu retten sind, muss man sich mit dem Verlust abfinden. Doch muss und kann man das an anderen Stellen wett machen, wo das Polnische größere Möglichkeiten bietet. Der Übersetzer muss deshalb wohl wachsamer sein als der Autor, der sich bisweilen einfach vom Sprachstrom mitreißen lässt. Der Übersetzer darf sich niemals mitreißen lassen.

Wodurch unterscheiden sich Ihre journalistischen Beiträge für deutsche und polnische Medien?

In meinen Zeitungstexten und Rundfunkfeuilletons für polnische Medien will ich dem polnischen Leser und Zuhörer Ausschnitte der deutschen Wirklichkeit nahe bringen: wichtige Kultur- und Politikereignisse, öffentliche Debatten, charakteristische Momente des deutschen Alltags. All das aus der Sicht einer in Deutschland lebenden Polin, die ein Gespür für polnisch-deutsche Themen und für polnische Gefühlszustände hat. Meine Texte sind anders als die der festen Korrespondenten. Ich habe keine Pflichtthemen, ich greife das auf, was mich aus persönlichen Gründen bewegt.
In den Feuilletons für die Süddeutsche Zeitung unternehme ich scheinbar das gleiche: ich beschreibe die deutsche Wirklichkeit mit den Augen einer Polin. Nur darf ich dem deutschen Leser keine banalen Beobachtungen servieren, ich muss ihm seine Wirklichkeit wirklich aus einer fremden Sicht vorführen. Unvermeidlich in solchen Texten sind Vergleiche mit Polen, die Sicht auf Polen aus der Fremde, aber das ist es, was den deutschen Leser wohl am meisten interessiert. Dadurch kann ich dann unbesorgt über polnische Angelegenheiten schreiben, ohne Gefahr zu laufen, ein gereiztes „Ach, schon wieder über Polen“ von meinen Freunden und meiner deutschen Familie zu hören. Denn wenn ich für die Deutschen über Deutschland schreibe, schreibe ich oft gleichzeitig über Polen. Wie könnte es auch anders sein.

 

 


Date: 2015-12-24; view: 130


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