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Uuml;bersetzer im Gespräch Agnieszka Kowaluk


„Wo Geist und Witz des Originals nicht zu retten sind, muss man sich mit dem Verlust abfinden. Doch muss und kann man das an anderen Stellen wett machen, wo das Polnische größere Möglichkeiten bietet. Der Übersetzer muss deshalb wohl wachsamer sein als der Autor, der sich bisweilen einfach vom Sprachstrom mitreißen lässt.“

Welche Rolle spielt in Ihrer Arbeit das Gespräch mit dem Autor?

Der Kontakt mit dem Autor ist für mich nicht selbstverständlich. Ich habe ein paar Bücher vor der Ära der E-Mail übersetzt – was man sich heute kaum noch vorstellen kann – und hatte während der Arbeit nicht nur keinen Kontakt mit den Autoren, sondern auch die stundenlangen Recherchen spielten sich in Bibliotheken, an den Bücherregalen meiner Bekannten, in der Korrespondenz mit unterschiedlichen Institutionen ab.
Der Autor hat ein Buch geschrieben und meine Aufgabe ist, es zu übersetzen, das heißt, es in meiner Sprache zu schreiben. Ich hatte das Vergnügen, nahezu alle meiner Autoren kennen zu lernen, und alle waren ungemein kommunikativ und kollegial. Allerdings haben wir uns meist erst bei den Lesungen getroffen...
Der einzige Fall, bei dem die Hilfe der Autorin wirklich unabdingbar war, war die Übersetzung von Elfriede Jelineks Die Kinder der Totenund Gier. Gegen Ende der Arbeit fertigte ich lange Listen mit Fragen an die Autorin, die ich im Zuge jeder neuen Lektüre maximal reduzierte, indem ich versuchte, selbst eine Antwort darauf zu finden. Obwohl ich weiß, dass gerade diese Schriftstellerin eine lebhafte Korrespondenz mit dem französischen Übersetzer der Kinder geführt hat. Nun kann Elfriede Jelinek gut Französisch, aber kein Polnisch. Solche Fragen waren oft unverzichtbar: Manchmal musste man sich vergewissern, ob ein Wort, mit dem man nicht klar kam, nicht vielleicht eine Schöpfung der Autorin war, manchmal ermitteln, ob eine Figur weiblichen oder männlichen Geschlechts war (siostrzeniecoder bratanek für Neffe)? Manchmal galt es zu klären, ob ein Heidegger-Zitat echt oder fiktiv war. Oder was ist das für ein seltsames Gedicht, vertraut und doch unbekannt (die österreichische Nationalhymne...). Elfriede Jelinek ist selbst Übersetzerin und hat großes Verständnis für solche Fragen. Ihre Antworten waren sehr konkret und gleichzeitig poetisch, so als schriebe sie das Buch damit weiter. Die Korrespondenz mit ihr, vom Umfang her leider nicht sehr reichhaltig, war eines der angenehmsten und kreativsten Momente der Arbeit an der Übersetzung.

Gibt es im Deutschen in Buch, das Sie besonders gern übersetzen würden?

Gern würde ich einen polnischen Verleger von einigen hervorragenden Klassikern der zeitgenössischen Jugendliteratur überzeugen. Mirjam Pressler oder Christiane Nöstlinger. Oder Wolfgang Herrndorf, von den Neueren. Ich habe das meiner Tochter versprochen, ich habe ihr gegenüber etwas gutzumachen. In der heißen Phase der Übersetzung haben wir so manches Mal auf vergnügliche Sonntagsspaziergänge oder Sofagespräche verzichtet. Ihr verdanke ich außerdem, dass ich mich ganz gut in der deutschsprachigen Kinder- und Jugendliteratur auskenne. Gern würde ich mich mit der Sprache sehr junger Menschen messen, die bei den guten Autoren lebendig und emotional ist und ein Gespür für falsche Töne hat.



TEXT 4


Date: 2015-12-24; view: 226


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