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Offener Brief an alle Friedensaktivisten und friedlichen Widerständler 4 page

Und weil es von schließlich relativ unwahrscheinlich ist, dass die Nutznießer von einseitigen Geschichtsschreibung freiwillig ihre daraus erwachsenen Vorteile preisgeben werden, so wird dem deutschen Volke keine andere Möglichkeit bleiben, als sich selbst aus diesem Würgegriff des großen Bruders und all der kleineren Stiefbrüder zu befreien. Es wird eine Zeit kommen, da werden die Deutschen auf dieses Phänomen ihrer Landsleute in der Geschichte, sich als freiwillige Sündenböcke für das reine Gewissen der ganzen Welt zur Verfügung stellen, mit ähnlich kurioser Verwunderung schauen, wie wir heute auf das Phänomen der Wiedertäufer im 16. Jahrhundert. Und deshalb gehört mittlerweile zu den zentralen Forderungen fast aller Friedensgruppen, die ihren Namen verdienen: „Gebt Deutschland seine Souveränität zurück!“ Und das könnte man jetzt als eine gute Nachricht bewerten, denn in diesem Punkt gibt es doch, trotz aller scheinbare Verschiedenheit zwischen traditionellen linken Friedensgruppen, über die Mahnwachenbewegungen hinweg, bis hin zu den „Gidas“ eine erfreuliche Übereinstimmung. Darauf ließe sich theoretisch doch eigentlich eine gemeinsame Volksfront aufbauen, würde man meinen.

 

Die Identität der Linken nährt sich aus Ausgrenzung

 

Ich bin mir natürlich bewusst, dass eines solcher Gedanke einer politischen „Querfront“ in Deutschland ziemlich hypothetisch ist, weil dies gerade mit der Mehrheit der Linken nicht zu machen sein wird. Würden sie sich nämlich beispielsweise auch nur mit den friedlichen Menschen der Montagsmahnwachen zusammen tun, geschweige denn den der gemäßigten Mehrheit in den „Gidas“, so müsste sie das augenblicklich in eine akute Identitätskrise stürzen. Da sie ihre Identifikation ausschließlich daraus beziehen dagegen zu sein, incl. aller nach eigenen Massstäben definierten Faschisten und selbst wenn dieses System, wie im Falle Deutschlands, bereits, wie erläutert, von linkem Gedankengut durchdrungen ist, so würde eine solche „Vermischung“ ihren selbst verliehenen Status, per Definition immer die „Deutungshoheit“ zu haben, relativieren, und wer weiß womöglich könnte auch noch bei diesem Vereinigungsprozess ein „rechter Virus“, wie eine ansteckende Krankheit, von ihnen Besitz ergreifen. Das Selbstbild des linken Gutmenschen lebt davon, dass auch alle sehen, dass sie die „Guten“ sind und da ist deutliche Abgrenzung vonnöten.

Der Linke bezieht einen großen Teil seiner Identität vor allem daraus, dass es Rechte gibt. Und bleibt das zweifelhaft, ob diese Rechten nun auch wirklich rechts sind, so gehe man am besten der Einfachheit halber so damit um, dass man überall hinaus posaunt, man hätte diese durchschaut.

Hier muss man sich schon mal grundsätzlich fragen dürfen, was man überhaupt mit dem Begriff „rechts“ meint. Es gibt nämlich die „Rechten“, die sich selbst so bezeichnen, wie z.B. die Menschen aus dem Umfeld der „N.P.D.“ und ähnliche Gruppierungen, dann gibt es diejenigen, die von anderen, zumeist von ihren politischen Gegnern als rechts bezeichnet werden, bei näherer Betrachtung aber einfach nur Wertekonservative sind und die nur, weil es so bequemer ist, einfach als Rechte verunglimpft werden, da sie in einigen Fragen entscheidend andere Positionen einnehmen, als dies dem linksliberalen Mainstream genehm ist. Dies alles wird heute der Einfachheit halber und weil es für die eigene Position vorteilhaft ist, in einen Topf geworfen. Was die erste Gruppe, also die der NPD und vergleichbarer Gruppierungen anbetrifft, so hatte ich bis vor kurzem noch nie in meinem ganzen Leben eine eigene Erfahrung mit solchen Menschen gemacht. Alles, was ich von denen zu wissen glaubte, hatte ich aus den Mainstream-Medien und ich muss zugeben, dass ich sie mir auch, wie wohl die meisten von uns, entsprechend als ziemlich hirnlose, mehrheitlich gesellschaftlich abgehängte, sehr einfach gestrickte Dumpfbacken, entsprechend dem Klischee der schwarzen, kahl geschorenen, finster dreinblickenden Zeitgenossen in Springerstiefeln, vorgestellt habe. Da hatte es sich einmal ergeben, dass ich am Rande einer Mahnwache mit einem NPD-Mann ins Gespräch kam und feststellen musste, dass er diesem Klischee in meinem Kopf nun überhaupt nicht entsprach, im Gegenteil er einem sehr gebildeten, bestens informierten, und rhetorisch sehr präzisen Bildungsbürger ähnlicher war. Auf meine Frage, was um Gottes Willen ein Mensch wie er denn ausgerechnet bei der NPD suche, antwortete er nur kurz, dass sie die einzigen seien, die die nationale Frage und die nicht vorhandene Souveränität Deutschlands öffentlich thematisieren würden. Worauf ich ihm spontan antwortete, dass ich diesen Punkt allerdings nachvollziehen könne. Das war für mich eine beeindruckende Lektion, wie schnell wir, die wir uns selbst gerne für aufgeklärt und tolerant einschätzen, mediale Propaganda, die sich als objektive Information ausgibt, und reale Wirklichkeit, durcheinander bringen. Ich weiß natürlich, dass jetzt sofort das Argument aus der linken Ecke kommt: ‚Oho, wie naiv, sieht der Gute denn nicht, dass gerade solche Subjekte sich als Biedermänner tarnen, in Wirklichkeit sind sie aber schlimmste Wölfe im Schafspelz.’ Mag durchaus sein, dass es sich bei dem einen oder anderen so verhält, nur ich meine der einzige, der wirklich einzigste Weg heraus zu finden, wes Geistes Kind mein Gegenüber ist, ist mit ihm selbst zu sprechen und ihn dann auch beim Wort zu nehmen. Ich für meine Person, glaube nicht nur genug Lebenserfahrung, sondern auch ein fein genug eingestimmtes Herz zu haben, um zumindest nach einiger Zeit sehr gut erkennen zu können, ob jemand nach ehrlichen Antworten und gerechten Lösungen sucht oder ob er den anderen mit seiner finsteren Gesinnung hinters Licht führen will oder einfach ein armer Verblendeter ist, der seinen Minderwertigkeitskomplex durch eine extreme Position auszugleichen versucht. Ich denke ich kann da getrost meiner Menschenkenntnis vertrauen und kann nur vorschlage, dass es an der Zeit wäre, dass viele so genannte Friedensaktivisten an diesem Punkt ihre Einstellung gründlich überdenken, sich öffnen für den gesellschaftlichen Dialog mit allen Gruppen, die ehrlich um die besten Lösungen für unsere Gesellschaft ringen und der Gewalt – das allerdings ist die unbedingte Voraussetzung – abgeschworen haben, ganz gleich aus welchem politischen Lager sie vermeintlich kommen. Auch hier möchte ich wieder einmal an ein Wort Jesu erinnern, der für mich unzweifelhaft höchsten Autorität in solchen Fragen: «Ich weiß deine Werke, daß du weder kalt noch warm bist. Ach, daß du kalt oder warm wärest! Weil du aber lau bist und weder kalt noch warm, werde ich dich ausspeien aus meinem Munde.» ( Offenb. 3, 15-16 ). Jemand der sich heute gesellschaftlich engagiert ist entweder beseelt das Gute in die Welt zu bringen, „die Warmen“ oder er ist voll Eifer, das Falsche, Künstliche, Heuchlerische zu bekämpfen, „die Kalten“ und dabei vielleicht auch einmal über das Ziel hinaus schießt. Mit beiden Gruppen lässt sich etwas anfangen, nur diejenigen, die gleichgültig in einer neutralen Passivität und Unentschlossenheit verharren und ihr Fähnchen stets nach der Mehrheitsmeinung hängen, sind aus der Sicht des Dharmas betrachtet, verloren.



 

 

Meine Erfahrungen mit der «Pegida»

 

Natürlich muss man in diesem Zusammenhang auch die „Pegida“ Bewegungen nennen. Ich selbst habe mir die Mühe gemacht, zweimal nach Dresden zu fahren, um mir vor Ort selbst ein Bild machen zu können, um welche Botschaft und vor allem um welche Menschen es sich dabei handelt. Erst einmal nehmen mich schon Menschen für sich ein, die in dieser Zeit der bürgerlichen Saturiertheit, des speichelleckenden Opportunismus und der „Politischen Korrektheit“ es über sich bringen, ihren trägen deutschen Hintern hochzukriegen und für ihre Anliegen, da wo sie sich als Bürger nicht mehr wahr genommen fühlen, auf die Straße zu gehen. Wen ich dort dann unter den bis zu dreißigtausend Mitmenschen angetroffen habe, waren mit weitem Abstand ganz normale Bürger aus der Mitte unserer Gesellschaft, die vor allem instinktiv spürten, dass „etwas faul ist im Lande Deutschland“ und wach genug sind, um die „große Lüge“ von unserer „freiheitlich demokratischen Gesellschaft“ zu durchschauen. Dass sich dieses Unbehagen dann vor allem am Thema „Islamismus“ fest macht, mag zu kurz gegriffen sein, und doch habe ich vor allem ihr grundsätzliches, ehrliches Unbehagen an unserem kranken, morschen System gespürt und dafür waren sie mir lieb. Und gerade von ihnen habe ich am Ende noch etwas sehr entscheidendes dazu gelernt, was meine ganze bisherige Sicht, die ich zusammen mit so vielen „Mainstreamgeschädigten“, mehr dumpf unbewusst als begründet, zum Thema Islamismus relativiert hat. Es war der Anstoß, der in meinem Falle eindeutig von Pegida kam, doch einmal genauer hinzuschauen, was an dieser Islamismuskritik dran sein könnte. Und so habe ich mich erst einmal auf verschiedenen Wegen Informationen zu dem weiten Feld „Islam“ eingeholt. Dabei habe ich zu meiner eigenen Überraschung feststellen müssen, dass das Thema Integration, Gewaltbereitschaft und Parallelgesellschaften unter Ausländern, tatsächlich ein sehr brisantes ist, und die Angst davor auf ganz realen Fakten beruht, die jeder, wenn er wirklich will, selbst nachprüfen kann. Nun die politischen Ereignisse sprechen inzwischen für sich. Wer könnte heute noch, nach den Ereignissen vom 13.11.2015 In Paris die Warnung vor den Auswüchsen des Islamismus einfach nur als dumpfe, ewig gestrige, volkstümelnde Panikmache abtun? Und dabei war die Position der Pegida faktisch immer schon zum Beispiel ganz nahe an jener der C.S.U., nur würde das von letzteren und den gleichgeschalteten Medien niemand öffentlich zugeben wollen. Dass solche Doppelstandards der „aufrechten Demokraten“ nur wieder dazu beiträgt, dass sich die braven Pegida-Anhänger ungerecht behandelt fühlen, ja wie wir es so oft in den letzten Monaten beobachten konnten, regelrecht zu Sündenböcken degradiert wurden und so deren Widerstand nur noch weiter aufstachelt, ist nur eine logische Konsequenz. Inzwischen ist das Klima bei diesem Thema so vergiftete, dass ein normaler demokratischer Dialog, der sich spinnefeind gegenüber stehenden Blöcke faktisch nicht mehr stattfindet. Eigentlich wäre es spätestens jetzt, nach Paris an der Zeit, dass sich alle Vertreter der Friedensbewegung, die Seite an Seite mit dem Mainstreammedien und den gesteuerten Politikern auf die besorgten Menschen bei Pegida verbal eingedroschen haben, wie leider auch Ken Jebsen und Pedram Shayar, sich bei diesen zu entschuldigen. Denn nun haben wir alle auf die Brutale lernen müssen, dass sie Recht hatten. Gerade was die Haltung zum Phänomen der „Pegida-Bewegung“ anbetrifft, muss ich einigenden führenden Repräsentanten der Montagsmahnwachen leider auch Opportunismus und Feigheit vor dem Freund zusprechen, deren Hintergrund ich mir nur so erklären kann, dass man es doch scheut in der Öffentlichkeit mit „denen da“ in Zusammenhang gebracht zu werden, denn man möchte seinen Ruf als linksliberale, intellektuelle Vordenker ja ungern versauen. An diesem Punkt sehe ich mich der Position beispielsweise eines Jürgen Elsässer wesentlich näher. Wäre es nicht gerade als Friedensaktivisten der Montagsmahnwachen, einer Bewegung die ganz aus der Mitte des Volkes entstanden ist, unsere verdammte Pflicht mit allen Gruppen im Widerstand gegen die Große Verschwörung gegen die Menschheit das Gespräch zu suchen und sich schützend gegen ungerechte Anfeindungen vor sie zu stellen, unter anderem auch um zu verhindern, dass sie in dem Dauerhagel der Verleumdungen aus der Politik und den Lügenmedien geradezu in die rechte Ecke gedrängt zu werden?

 

Gutmenschen und modernes Pharisäertum

 

Ganz nebenbei habe ich in der Folge meiner Ausflüge zu Pegida und Pegada auch noch überaus wertvolle Lektionen in die gespenstische Wirklichkeit öffentlich zur Schau gestellten „politischer Korrektheit“ bekommen. Dabei war die denkwürdige Begegnung auf der „Endgame-Demo“ in Erfurt mit einem evangelisch-grünen Kirchenvertreter nur die Krönung. Wir friedlich und fröhlich demonstrierenden Aktivisten wurden dabei von diesem Prototypen zeitgemäßen Pharisäertums, seines Zeichens Anführer einer Gruppe von Gutmensch-Schafen, als identisch mit der Pegida-Bewegung eingestuft ( wohl auch wegen der Ähnlichkeit des damaligen Namens „Pegada“ – heute „Endgame“ ) und damit kurzerhand und völlig humorlos zu Nazis erklärt, die es gar nicht Wert seien, dass man mit ihnen auch nur ins Gespräch komme. Auf unsere fast schon hilflos wirkenden Versuche, sie darauf hinzuweisen, dass wir aber doch auch dafür seien, dass Asylanten hier aufgenommen und menschlich behandelt würden, und wir eigentlich auch mit der „Pegida“ gar nichts zu tun hätten, packte dieser Prototyp nur reflexartig und voller Selbstgerechtigkeit das bewährte Totschlagargument aus, dass es ja hinlänglich bekannt sei, dass Nazis auf diese Weise nur ihre wahren Absichten als Antisemiten und Rassisten zu verschleiern versuchen würden. Da war er wieder, dieser neue Gutmenschen-Faschismus im Gewand des Antifaschismus! Was soll man darauf dann noch machen, außer sich einzugestehen, dass auf diesem Niveau kein Dialog mehr möglich ist? Dieser Vorfall sensibilisierte mich dafür, wie sehr dieser neue links-grüne Faschismus sich bereits wie ein giftiges Krebsgeschwür bis in die Mitte unserer Gesellschaft eingefressen hat und man genau die gleiche Gesinnung, mit kleinen Varianten heute überall in einer breiten Front in allen Gesellschaftsschichten und Altersgruppen vor allem auch in den Medien wieder finden kann. Näher betrachtet handelt es sich bei diesem „Gutmenschen“ um ein soziologisches Phänomen, das sich bei uns in Deutschland aus der vermutlich nicht einmal bewusst gesteuerten ideologischen Verschmelzung der Philosophie der Frankfurter Schule, der Achtundsechziger- und später der Grün-Ökologischen Bewegung entwickelt und nun in den letzten fünfzehn bis zwanzig Jahren eine kybernetische Eigendynamik entwickelt hat, die diesen heute so typischen, besonders in den akademischen Schichten, fast schon zur Mehrheit zählenden Prototyp hervor gebracht hat. Der heutige politisch-korrekte Gutmensch aus der Mitte der Gesellschaft ist sich dabei zu allermeist jener ideologischen Wurzeln überhaupt nicht mehr bewusst, seine Überzeugung und sein Selbstverständnis nährt sich dabei zum großen Teil aus dem Nährboden einer Art von gewordenem kollektivem Zeitgeistbewusstsein, das die daraus entstandenen verinnerlichten Gedankenmuster und Glaubenssätze wie eine selbstverständlich Wahrheit verwendet, die überhaupt nicht mehr hinterfragt werden müssen, weil sie sich scheinbar von selbst verstehen. Die hauptsächlich gebräuchlichsten Glaubenssätze sind dabei etwa folgende: „Alle Menschen sind gleich“ ( selbstverständlich mit Ausnahme der Nazis, Definition siehe unten ), „Minderheiten sind grundsätzlich Opfer und verdienen deshalb einen besonderen Welpenschutz“; „ Es gibt keine persönliche Eigenverantwortung, jeder ist nur das Produkt seiner äußeren, meist ungünstigen Einflüsse, für die er selbst nichts kann“; und deshalb sind „alle Täter in Wirklichkeit nur bedauernswerte Opfer der gesellschaftlichen Verhältnisse“. Menschen der Entwicklungsländer und dritten Welt sind dieser Ideologie zufolge bereits a priori nur Opfer einer von uns Kapitalisten verschuldeten imperialen Politik, und weil das so ist, „sind wir auch für alle diese Menschen verantwortlich“. „Unser Lebensstandard im Westen hänge unmittelbar und direkt von der Ausbeutung der Länder der Dritten Welt ab“, und deshalb hätten diese selbst auch keinerlei Verantwortung für die herunter gekommenen Verhältnisse in ihren Ländern. Auf unsere gesellschaftlichen Verhältnisse bezogen seien „ Männer zuallermeist gefühlsmäßige Krüppel, empathielose Egoisten, immer nur auf Konkurrenz geeicht und die Frauen selbstverständlich die „besseren Menschen“ und sollten deshalb auch die Führungspositionen einnehmen, dann hätten wir eine bessere Welt: Ausländer, insbesondere die vielen Muslime, seien eine „Bereicherung unserer Kultur“- ihnen gegenüber ist man von vorne herein, in einer Art vorauseilender Anbiederung, wohlwollend eingestellt, ohne dass man wirklich sich die Mühe machen würde, deren Kultur, Sittenregeln und Religion von innen her näher kennen lernen zu wollen, und kann so elegant den unangenehmen Widersprüchen aus dem Weg gehen, wo nämlich gerade diese oft veralteten Sitten und überkommenen Glaubensformen, mit dem eigenen Anspruch von individueller Freiheit und feministischen Emanzipation kollidieren würden. Überhaupt haben „Islamismus“ und „Salafismus“ selbstverständlich nichts mit dem Koran zu tun, was wiederum kurzerhand einfach mal so behauptet wird, ohne sich die Mühe zu machen, etwa selbst einmal einen tieferen Blick in dieses Buch zu werfen, da „man ja eigentlich mit Religion nichts am Hut“ habe. Patriotismus sei gleichzusetzen mit Nationalismus und Chauvinismus und deshalb völlig indiskutabel, zusammen mit der Idee der Bewahrung der Nationalstaaten sei es überholt und das untrügliche Zeichen eines Nazis oder zumindest eines Rechtspopulisten. Solche Nazis seien im übrigen der absolute Abschaum, auf der untersten Sprosse des selbst definierten Rankings, und sind überhaupt keiner Auseinadersetzung wert, bzw. wäre es äußerst gefährlich mit ihnen auch nur zu debattieren, denn womöglich würde deren Denken sich dabei wie eine ansteckende Krankheit übertragen ( bis jetzt habe ich von unseren linken Herrenmenschen allerdings auch noch keinen praktischen Vorschlag gehört, wie man dann eigentlich mit solcherart Abschaum in einer Gesellschaft verfahren sollte, vergasen hätte irgendwie doch einen unangenehmen, politisch nicht korrekten Beigeschmack ); auch wenn man sich zu allermeist nur theoretisch, also meist ohne eigenes persönliches Engagement oder Opfer für alle Minderheiten und Zukurzgekommenen in unserer reichen Gesellschaft einsetzt, zähle man sich selbst selbstverständlich zu den „Guten“. Und dennoch glaubt dann ein solcher linksliberaler Gutmensch paradoxerweise auch im Großen und Ganzen daran, dass „wir in einer demokratischen Gesellschaft westlicher Prägung, mit einer freien und unabhängigen Presse und souveränen Justiz leben, welche immer noch ein Vorbild für die ganze Welt sein könnte, auch wenn unsere Repräsentanten in Politik, Justiz und Polizei oft genug unfähig und leider ihre Macht und ihre Stellung missbrauchen und deshalb mithilfe von freien Wahlen durch bessere Vertreter ersetzt werden sollten“; daraus ergibt sich so selbstverständlich wie das Amen in der Kirche, dass „politische Führer wie Vladimir Putin, die eine andere Gesellschaftsform und Bürgerbeteiligung favorisieren, schlimme Feinde der allgemein anerkannten Menschenrechte sind, einem bösen Despoten gleich zu setzen, und deshalb mit allen westlichen Werten und Methoden zu bekämpfen“; wobei man, trotz, in anderem Zusammenhang zur Schau gestellten Friedensliebe, schon mal beim Säbelrasseln und militärischen Muskelspielen der NATO Russland gegenüber, wohlwollend ein paar Augen zudrückt. Und dass, wenn jemand davon spricht, dass möglicherweise die Fäden des Weltgeschehens und damit auch das was uns in der Folge unmittelbar an Entwicklungen in Europa betrifft, hinter den Kulissen, von mächtigen, außerhalb jeglicher Legalität stehenden, im Verborgenen agierenden, Interessengruppen und Individuen gesteuert wird, sich als bekloppter und gefährlicher „Verschwörungstheoretiker“ selbst disqualifiziert hat, der am besten wie ein Nazi zu behandeln sei, und dass man schließlich selbst als vorbildlicher „Gutmensch“ und sympathischer Optimist, trotz allem Negativem in der Welt, unverrückbar an das Gute glaube, und dass man die Welt verändern können würde, wenn nur alle „Guten“ sich zusammen tun und an einem Strang ziehen und dass man sich im übrigen diesen Traum auch von niemandem nehmen lasse.

So in etwa schaut die Welt eines modernen, links-liberalen, politisch-korrekten Gutmenschenin Deutschland des Jahres 2015 aus. In Parteien wie den Linken, den Sozis und den Grünen, sowie in der Medienwelt und im Künstler- und Kulturbetrieb, sowie unter der akademischen Jugend, macht dieser Typus inzwischen die große Mehrheit aus. Konstantin Wecker lässt grüßen. Dabei ist der so plakativ zur Schau gestellte „Glaube an das Gute im Menschen“ psychologisch gesehen nur ein Zweckoptimismus, weil man in seinem infantilen Gemüt, das unbewusst spürt, dass, würde es sich mit der ganzen, nicht geschönten Faktenwucht der realen Verhältnisse, einlassen, dies eine ganz andere Art von Verantwortung verlangen würde. Das würde ja auch bedeuten, dass man sich eingestehen müsste, dass es das genuin Böse wirklich gibt und dieses in Politik und Gesellschaft mächtig im Vormarsch ist, und man selbst als Konsequenz daraus aufgefordert wäre, einem kompletten Paradigmenwechsel in der eigenen Sicht auf die Welt zu vollziehen. So verfährt man einfach nach dem altbekannten Motto.„ Ich sehe nur das, was ich für möglich halte.“ Für umso optimistischer man sich selbst hält, desto weniger wahrscheinlich ist es, dass negative Informationen über Gegenwart und Zukunft unserer Gesellschaft, die nicht dem eigenen affirmistischen Weltbild entsprechen, Einfluss auf die eigene Wahrnehmung der Wirklichkeit haben.

Des Pudels Kern dieses falschen Glaubens des Gutmenschen ist dabei, die geheime, ihm selbst unbewusste Angst, wenn er diese Gesinnung Preis geben oder einfach nur einmal auf seinen Wahrheitsgehalt überprüfen würde, er vor sich selbst wie ein Verräter dastehen müsste, einhergehend mit der Befürchtung, damit nicht nur seinen moralischen Status in der Gesellschaft, sondern jeglichen inneren Halt zu verlieren, ja wäre er gläubig, er wahrscheinlich überzeugt wäre, sich damit mindestens das Fegefeuer verdient zu haben. Es ist diese Angst vergleichbar mit dem Tabubruch, wenn man einen gläubiger Muslims gleichzeitig zum Genuss von Alkohol und Schweinfleisch, einen asketischem, erzkatholischen Mönch zu einem Bordellbesuch oder einem überzeugten Veganer, zu einem Verzehr eines Big Macs bei Mac Donalds, verführen würde.

Dabei ist es ein merkwürdiges Paradox, dass der gleiche Prototyp dieses Gutmenschen in keinerlei Konflikte mit seinem Gewissen gerät, wenn er all jene, die nicht der gleichen Gesinnungsmoral anhangen, ohne mit der Wimper zu zucken, als gesellschaftlich unwertes Leben zu brandmarken. Wenn der moderne Gutmensch über imaginäre Opfer heult, Wut gegen imaginäre Bösewichte aufstaut und vor allen Dingen, wenn er das Leben von Menschen bestimmen will, die sehr wohl kompetent sind ihr eigenes Handeln zu bestimmen, dann wird seine Neurose schmerzlich sichtbar. Man kann sagen, dass das „Gutmenschentum“ inzwischen zu einer Art säkularen Religion gewuchert ist, mit einem deutlich calvinistischen Zug der Verdammung „Andersgläubiger“. Gerade weil er sich so schmerzlich danach sehnt zu den „Guten“ zu gehören und unbewusst genau spürt, dass er mit seinen Ressentiments und seinem verdrängten Aggressionen, diesem Selbstbild nicht gerecht werden kann, flüchtet dieser Prototyp sich in den vermeintlichen Ausweg aus seinem Gewissensdilemma, indem er seine abgründige Innenwelt nach Außen projiziert und überall gleich rechtes und rassistisches Gedankengut wittert, um es dann als Akt der Gerechtigkeit brandmarken zu können. Wer einen Hammer in der Hand hält sieht überall Nägel! Wäre dieser Gutmensch wirklich der aufgeklärte Humanist, als der er sich so gerne sieht, würde er erkennen können, dass zum Gutsein zwingend der Aspekt der Freien Wahl gehört, sich zwischen zwei oder mehreren Optionen entscheiden zu können. Und gerade das ist durch diesen verordneten, gesellschaftlichen Wahn und Zwang zur pseudoreligiösen Gesetzlichkeit der „Politischen Korrektheit“ nicht vorgesehen.

Ich kann in diesem Zusammenhang durchaus einen Akif Pirincci verstehen, der diese Weltsicht, kurz und griffig, mit dem bösen Wort „linksversifft“ bezeichnet hat.Und auch dieses wurde mir sehr klar, dass diese Gefahr, eines „Faschismus light“, in lockerem und sexy Erscheinungsbild, für unsere christlich-humanistischen Werte, weit gefährlicher ist, als jede echte oder eingebildete „Gefahr von Rechts“ oder das Phantom des Islamismus. Darin offenbart sich auch, dass utopische Denkmodelle einerseits, wie der Kommunismus oder auch eine grün-ökologische Utopien, wie Umweltschutz und Veganismus, um nur zwei Beispiele zu nennen, wenn sie sich zur Ideologie übersteigern oder noch schlimmer, sie sich zu säkularen Ersatzreligionen erhöhen, und totalitäre Zwangsstrukturen andererseits, zwei Seiten der gleichen Medaille sind.

Es ist ein Treppenwitz der Weltgeschichte des ausgehenden zwanzigsten und Anfang des Einundzwanzigsten Jahrhunderts, dass ausgerechnet die linken und grünen Fundamentalisten mit ihrem Politischen Korrektheitswahn auf diese Weise zu Steigbügelhaltern des Neoliberalismus und deren verborgenen Agenda der „Neuen Weltordnung“geworden sind.

 

( schon woanders gebracht )

 

Aber auch das ist gut so, dass nun langsam offenbar wird, wes Geistes Kind jedermann ist, weil nun jeder mehr und mehr gezwungen sein wird, sein wahres Gesicht zu zeigen und dadurch immer mehr den einfachen, gutwilligen Menschen die goldene Gelegenheit gegeben wird, für sich selbst dieses verwirrende Hütchenspiel von Gut und Böse zu entlarven. Wenn es uns allerdings gemeinschaftlich nicht gelingt, diese Entwicklung zur allumfassenden totalitären Heuchelei zu stoppen, sind wir heute in Deutschland auf dem besten Weg, eine Gesellschaft von Pharisäern zu werden. Das wäre dann allerdings der Supergau, das wohl schlimmste, was einer Nation überhaupt passieren kann, weil sich diese Pharisäer ja vor sich selbst und vor anderen hinter der Fassade des „Gutmenschen“ verbergen können und durch ihre Haltung das gesamte gesunde Volkskollektiv zu einer Art „Phantomgemeinschaft“ herabstufen würden, die keine echten Wurzeln und schließlich im Kampf der Kulturen keine Überlebenschance hätte. Jesus war zu reuigen Sündern überaus gnädig und barmherzig, die Hohenpriester und Pharisäer hat er aber mit den härtesten, denkbaren Begriffen als „Schlangen- und Otterngezücht“ gebrandmarkt. Das was sich da in dieser Zeit über unseren Köpfen und mitten unter uns gesellschaftlich zusammenbraut, ist in vielerlei Hinsicht ebenfalls eines solch drastischen Begriffes würdig.

 

Das Salz der Erde ist nicht salzig genug

Wer, wenn nicht das kleine Häuflein aufrechter, wahrhaftiger und herzlicher Menschen, die sich durch einige persönliche Opfer aus dem Zwang der großen Verschwörung und globalen Täuschung befreien konnten, wäre da noch in der Lage dagegen zu halten? Und von diesem Typus habe ich gerade in den neuen Friedensbewegungen viele gefunden. Sie sind das „Salz der Erde“und das kleine bisschen Sauerteig, der den übrigen Laib der Gesellschaft im Laufe der Zeit durchsäuern könnte, wäre da nicht der leidige menschliche Faktor mit im Spiel.

Was meine ich mit dem „menschliche Faktor“? Nun, das sind schlicht die Auswirkungen der Ego-Persönlichkeit, in ihren vielen Spielarten, die in allen Gruppenkonstellationen von Menschen immer eine zentrale Rolle spielen. Ich habe seit April 2014 eine ganze Reihe der verschiedensten Friedensdemonstrationen im weitesten Sinne beigewohnt, wobei ich ein weites Spektrum von Gruppierungen kennen lernen und mit ihnen entsprechende Erfahrungen machen durfte, von begeisternden, über bedeutungslosen bis hin zu absolut kontraproduktiven, von bekannten, in der Öffentlichkeit heftig diskutierten, bis hin zu völlig unbeachteten, bis ich mich schließlich ernüchternd gezwungen sah, mich erst einmal wieder auf eine mehr distanzierte Position zurück zu ziehen. Was mir dabei klar wurde ist, dass traumatisierte, unreife, überemotionale, unreflektierte, selbstherrliche oder gar größenwahnsinnige Persönlichkeiten, auch mit noch so gutem Willen und schlagenden Argumenten niemals Teil der Lösungsein können, sondern immer nur dazu verurteilt sein werden, ein Teil des Problemszu bleiben. Und von solchen Menschen gibt es in der so genannten Friedensbewegung und anderer Volksbewegungen eine jede Menge. Es ist in etwa so wie wenn ein hüftlahmer, asthmatischer, kurzatmiger Mensch, sich vornehmen würde, an einem Marathonlauf mitzumachen und sich dabei auch noch einbildet, diesen gewinnen zu können. Das ist genau der Grund warum alle Weisheitslehren, durch alle Zeiten hindurch, unisono darauf hinwiesen, dass jemand der sich aufmacht die Welt in Ordnung zu bringen, sich erst einmal herab lassen muss „den Mann oder die Frau im Spiegel“ kennen zu lernen, um ihn oder sie dann auch heilen zu können. Wenn wir uns Menschen in der Geschichte anschauen, die auf irgend eine Weise eine nachhaltige—die Betonung liegt auf „nachhaltig“— Verbesserung für die Menschheit zu Wege gebracht haben, so waren es ausnahmslos gottesfürchtige, demütige, der Gerechtigkeit verpflichtete, pragmatische und ja, sanftmütige Menschen, die auch jederzeit bereit waren, mit sich selbst ins Gericht zu gehen, wenn sie bei sich die falsche Einstellung ausmachten, wie Moses, Paulus, Luther, Schiller, Gandhi oder Mandela,um nur einige wenige zu nennen. Selbst Jesus rügte einen Jünger, der in mit „guter Meister“ ansprach, „Was nennst du mich gut, keiner ist gut, außer Gott“ und hinterließ uns Nachfolgenden damit gleichzeitig eine gewaltige, ewige Botschaft, nämlich wie sehr man als „Reformer“, Friedensstifter oder Menschheitsführer, oder einfach nur als kleiner Friedensaktivist, sich vor Selbstgerechtigkeit oder schlimmeren Auswüchsen der Ego-Persönlichkeit in Acht nehmen müsse. Vor allem ist es mit einer ego-zentrierten Einstellung niemals möglich eine einheitliche, durchschlagende „Einheitsfront“ des Volkes aufzubauen, um öffentlichen Druck auf die Politik ausüben zu können. Und so finden wir nun nach noch nicht einmal zwei Jahren seit der ersten Mahnwache in Berlin die neue Friedensbewegung aufgeteilt in dutzende kleine und kleinste Splittergruppen, die alle miteinander um die imaginäre Deutungshoheit ringen und sich zum Teil unter einander nicht grün sind, weil sie fast ausnahmslos unter dem Virus der „Rechthaberei“ leiden.


Date: 2015-12-17; view: 95


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