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Wie Deutschland ein Einwanderungsland wurde

In den 1950er Jahren brauchte man wegen des Wirtschaftswunders in Deutschland mehr Arbeitskräfte, die in der Industrie und im Straßen- und Bergbau arbeiten sollten. Es wurden Verträge, sogenannte Anwerbeabkommen, zunächst mit Italien, Griechenland und Spanien abgeschlossen, 1961 dann mit der Türkei, später auch mit Marokko, Portugal, Tunesien und Jugoslawien. 1964 wurde der millionste Gastarbeiter – Armando Rodrigues aus Portugal - feierlich vom damaligen Bundesinnenminister begrüßt.

Sowohl die Bundesrepublik Deutschland als auch die "Gastarbeiter" selbst gingen dabei von einem befristeten Aufenthalt aus. Das Abkommen legte fest, dass die neuen Arbeitskräfte nach zwei Jahren Deutschland wieder verlassen und an ihrer Stelle neue Gastarbeiter nach Deutschland kommen.

Dieses „Rotationsprinzip“ wurde bald abgeschafft, weil es für beide Seiten nicht praktisch war.

Viele der eingereisten Arbeiter und Arbeiterinnen, die zuerst alleine gekommen waren, blieben in Deutschland und holten nach einiger Zeit ihre Familien aus den Heimatländern nach. 1973 schloss die deutsche Regierung wegen der Ölkrise und der beginnenden Rezession die Grenzen für alle ausländischen Arbeitnehmer. Man spricht vom sogenannten „Anwerbestopp“. Trotzdem stieg in den folgenden Jahren die Zahl der in Deutschland lebenden Ausländer durch den sogenannten „Familiennachzug“.

Für die Arbeitsmigranten gab es kaum Integrationshilfen, wie z.B. ein umfassendes Deutschkursangebot. Anfang der 1980er Jahre versuchte die deutsche Regierung die Rückkehr ausländischer Arbeitnehmer zu fördern. So bezahlten sie bei Einwilligung zur Rückkehr eine Geldprämie an meist türkische Arbeitnehmer. Diese Bemühungen blieben jedoch ohne Erfolg, denn die meisten Familien wollten in Deutschland bleiben. Zu Beginn der 90er Jahre verstärkte sich der Fremdenhass in Deutschland. Wiederholt starben türkische Einwanderer starben bei Brandanschlägen in Mölln und Solingen.

In die Einwanderungsdebatte kam Bewegung. Jetzt sprach man von Migranten und „Menschen mit Migrationshintergrund“ – ein Zeichen dafür, dass Deutschland begonnen hat, sich als Einwanderungsland zu begreifen“. Seit Anfang 2000 ist ein neues Staatsangehörigkeitsrecht in Kraft, das die Einbürgerung erleichtert.

In diesem Zusammenhang wurden Integrationskurse, d.h. spezielle Deutschkurse für Migranten, Pflicht. Inzwischen hat man verstanden, dass auch die ethnischen Minderheiten fest zu Deutschland gehören, auch wenn es immer wieder Debatten zu diesem Thema gibt.

 

Die größte Gruppe der Menschen mit Migrationshintergrund bilden Menschen türkischer Herkunft, von denen etwas mehr als 1,6 Millionen in Deutschland leben. Von der ehemals größten Gruppe, den Italienern, lebten dagegen 2009 nur noch gut 500.000 in Deutschland. Von den 14 Millionen ehemaligen „Gastarbeitern“, die bis zum Anwerbestopp 1973 aus den genannten Ländern nach Deutschland kamen, gingen elf Millionen zurück in ihre Heimat.



Der Millionste Gastarbeiter, Armando Rodrigues, bekam als Begrüßungsgeschenk ein Moped!

1. Aufgaben zum Text:

a) Warum brauchte Deutschland in den 1950er und 1960er Jahren mehr Arbeitskräfte?

b) Aus welchen Ländern kamen die neuen Arbeiterinnen und Arbeiter?

c) Warum nannte man sie „Gastarbeiter“? Und warum trifft die Bezeichnung heute nicht mehr zu?

d) Woher kommt die derzeit größte ethnische Minderheit in Deutschland?

 


Date: 2015-12-11; view: 363


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