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Warum wir lieben, wen wir lieben?

Ist Ihnen schon einmal ein Ehepaar begeg­net, das auf den ersten Blick überhaupt nicht zusammenpasst?

Die beiden führen eine glückliche Ehe, aber Sie können sich partout nicht erklären, warum. Es kommt oft vor: Er ist kräftig, ein ehe­maliger Leistungssportler und erfolgreicher Geschäftsmann, der jeden Samstag mit sei­nen Freunden Golf spielt. Seine Frau ist dage­gen zierlich, still und sehr häuslich. Sie geht nicht einmal gern zum Essen aus.

Welche geheimnisvolle Kraft treibt uns in die Arme des einen und stößt uns von einem anderen ab, der einem Außenstehenden genau­so begehrenswert erscheint?

Unsere Vorstellung vom idealen Partner ist nach Meinung von John Money, Profes­sor Emeritus für medizinische Psychologie und Kinderheilkunde an der Johns-Hopkins-Universität in Baltimore, vor allem durch unsere sogenannte Liebestopographie beeinflusst: verschiedene Botschaften, die unser Ge­hirn speichert und die beschreiben, was wir mögen und was nicht. Hier sind unsere Vorlie­ben für Haar- und Augenfarbe, Stimme, Geruch und Körperbau angelegt wie auch für den Cha­rakter, der uns anspricht, etwa die warmherzige, freundliche oder die starke, stille Art.

Kurz gesagt, wir fühlen uns unwidersteh­lich zu dem Menschen hingezogen, der am besten in unsere Liebestopographie passt. Und die entsteht im Wesentlichen in der Kindheit. Im Alter von acht Jahren hat sich in unserem Gehirn bereits das Muster unseres Idealtyps geformt.

Häufig antworten die Paare auf die Frage: «Was den Partner für sie attraktiv macht?» Die Antworten reichen von: «Sie ist stark und unabhängig» und «Ich stehe auf Rothaarige» bis zu «Ich mag seinen Humor».

Ich glaube, was sie sagen. Aber ich weiß auch, wenn man dieselben Männer und Frauen gebeten werden, ihre Mutter zu be­schreiben, gäbe es viele Ähnlichkeiten zwi­schen ihr und dem idealen Partner. Ja, unsere Mütter - die erste große Liebe in unserem Leben haben entscheidenden Einfluss auf unsere Liebestopographie.

Für Kinder bildet die Mutter den Mit­telpunkt der Welt und umgekehrt. Was an ihr charakteristisch ist, prägt sich uns deshalb unauslöschlich ein, und wir fühlen uns von Menschen mit ihren Gesichtszügen, ihrer Fi­gur, ihrer Persönlichkeit, sogar ihrem Humor angezogen. Bei einer liebevollen, großzügigen Mutter mögen wir als erwachsene Menschen, die ebenfalls freundlich und großzügig sind. Wenn die Mutter einen starken, ausgeglichenen Charakter hatte, ziehen uns die Stärke und der Gerechtigkeitssinn unseres Partners an.

Bei Söhnen wird der Einfluss der Mutter um ein weiteres Element ergänzt: Sie vermit­telt ihnen nicht nur, was sie später an einer Partnerin attraktiv finden, sondern bestimmt auch ihre Einstellung zu Frauen allgemein. Wenn sie warmherzig und umgänglich ist, übertragen die Söhne diese Eigenschaften auf das weibliche Geschlecht. Wahrscheinlich werden sie einfühlsame Liebhaber und packen im Haushalt mit an.



Umgekehrt kann eine unausgeglichene Mutter, deren Stimmung zwischen Herzlich­keit und Ablehnung schwankt, dazu führen, daß der Sohn der Liebe misstrauisch gege­nübersteht und Angst hat, sich gefühlsmäßig zu binden. Vielleicht lässt er sich deshalb nicht auf eine feste Beziehung ein.

Während die Mutter zu einem großen Teil bestimmt, welche Eigenschaften wir in einem Partner suchen, beeinflusst der Vater - der erste Mann in unserem Leben -, wie wir uns dem anderen Geschlecht gegenüber verhalten. Der Charakter des Vaters hat enorme Auswirkungen auf die Persönlichkeitsstruktur des Kindes und seine Aussichten auf eine glückliche Partnerschaft.

So wie Mütter die allgemeine Einstellung ihrer Söhne zu Frauen beeinflussen, bestimmen Väter die allgemeine Einstellung ihrer Töchter zu Männern. Wenn ein Vater seine Tochter lobt und ihr zeigt, daß sie ihm viel bedeutet, wird sie sich im Verhältnis zu Männern ihres Werts bewusst sein. Aber durch einen kühlen, nörglerischen oder häufig abwe­senden Vater bekommt die Tochter das Gefühl, sie sei nicht besonders begehrenswert.

Und wie steht es mit den Gegensätzen? Ziehen sie sich tatsächlich an? Ja und nein. In vieler Hinsicht suchen wir nach einem Spiegelbild von uns selbst. Gutaussehende Menschen fühlen sich gewöhnlich zu einem genauso attraktiven Partner hingezogen.

Außerdem wachsen die meisten von uns mit Menschen aus ähnlichen sozialen Verhält­nissen auf. Unsere Freunde haben ein ver­gleichbares Bildungsniveau und vergleichbare berufliche Ziele. In ihrer Gesellschaft fühlen wir uns am wohlsten.

Robert Winch, Professor für Soziologie an der Northwestern-Universität in Chicago, hat dargelegt, daß wir bei der Wahl des Ehepart­ners in vielen Punkten Ähnlichkeiten an

streben, gleichzeitig aber einen Menschen suchen, der uns ergänzt: ein redefreudiger Zeitgenosse jemanden, der gern zuhört, ein kämpferischer Geist einen eher passiven Charakter.

Für jeden Topf gibt es den passenden Deckel. Oder, wie Winch sagt, das richtige Maß zwischen soziologischen Ähnlichkeiten und psychologischen Unterschieden ist das beste Rezept für eine stabile lebenslange Part­nerschaft.

Gibt es so etwas wie Liebe auf den er­sten Blick? Warum nicht? Wenn sich zwei Menschen verlieben, dann entdecken sie wahrscheinlich irgendeine Gemeinsamkeit. Das kann so etwas Banales sein wie die Lek­türe des gleichen Buches zur selben Zeit oder derselbe Geburtsort. Und dabei stellen sie am anderen einen Wesenszug fest, der die eigene Persönlichkeit ergänzt.

 

 


Date: 2015-12-11; view: 186


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