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Wissenschaftliches und kulturelles Leben um Jahrhundertwende

Albert Einstein

In den wenigen Jahren um und nach 1900 kam die Krise in einer geistigen Revolution zum Ausbruch, die in der Geschichte ohne Beispiel ist.

1900 veröffentlichte Max Planck die „Quantentheorie“, fünf Jahre später Albert Einstein die „Relativitätstheorie“. Die moderne Naturwissenschaft erreicht in diesen Werken ihren Gipfel und Wendepunkt, vergleichbar allein mit der Entdeckung des Kopernikus.

Drei geniale Dichter – geistig verwandt mit den französischen Symbolisten – prägten die Lyrik in der Zeit um 1900: Reiner Maria Rilke, Stefan George und Hugo von Hofmannstahl. Gott, Liebe und Tod sind die Themen ihrer Werke. Es sind Dichter, die noch einmal ein „inneres Reich“ zu gründen versuchten, ein Reich, isoliert in einer immer drohenden, rätselhaften Wirklichkeit.

Thomas Mann

1901 erschien Thomas Manns erster großer Roman „Die Buddenbrocks, Verfall einer Familie“. Der Autor entwickelte die Idee, der geistige Mensch sei für das ihn quälende Leben zu schwach. Geist und Leben vereinen sich nicht mehr.

W.Kandinsky Improvisation 7

Immer schwerer lastete das Bedrohtsein des „Geistes“ auf einer fragwürdig gewordenen Welt. Viele große Künstler dieser Zeit wie Emil Nolde, Ernst Barlach, Max Beckmann und Oskar Kokoschka, Dichter wie Georg Trakl, Barlach oder Georg Kaiser versuchten in ihrer ekstatischen* Kunst Angst und Einsamkeit, diese tiefsten Schichten der menschlichen Existenz in „Bildern“ sichtbar zu machen. Jener ekstatische Ausdruck in symbolischen Bildern und Figuren ist das Wesen einer Kunst, die man als „Expressionismus“ bezeichnet.

Bereits 1906 hatte der Russe Kandinsky das erste abstrakte Bild gemalt. Wenig später folgten ihm der Spanier Picasso und der Deutsche Paul Klee. Etwa zur selben Zeit erklang zum ersten Male die Zwölftonmusik Arnold Schönbergs.

Jahrhundertealte durch Antike und Christentum geprägte Ausdrucksformen zerbrachen, eine jahrhundertelange Periode abendländischer Kunst und Musik ging zu Ende.

Franz Kafka

Wohl kaum ein anderes Werk jedoch ist ein klares Symptom der Krise als das Franz Kafkas. In seinen visionären Dichtungen scheint sich die Vereinsamung des modernen Menschen seine Hilflosigkeit und seine Bedrohung durch anonyme Mächte auszudrücken, die in den Diktaturen des 20. Jahrhunderts und in den Weltkriegen schreckliche Wirklichkeit wurden:

„Nackt, dem Froste dieses unglücklichsten Zeitalters ausgesetzt, mit irdischen Wagen, unirdischen Pferden, treibe ich alter Mann mich umher… Betrogen! Betrogen!..“

 

Thema 2.2. Die Weimarer Republik (1919-1933)

Rosa Luxemburg

 

Karl Liebknecht

Nach dem Zusammenbruch der Monarchie kam die politische Macht in die Hände einer gespaltenen sozialistischen Bewegung. Am 10. November 1918 bildete sich mit dem Rat der Volksbeauftragten eine provisorische* Regierung. Das Kanzleramt übernahm der MSPD - Vorsitzende Friedrich Ebert (1871 - 1925), der ein ausgesprochener Gegner gewaltsamer Veränderungen war. Seine ersten Aufrufe als Kanzler zielten zu „Ruhe und Ordnung" hin, um die Lebensmittelversorgung sicherzustellen und lebenswichtige Betriebe in Gang zu halten.



Die radikalen Linken sahen dagegen die Chance, „alle Macht den Räten“ zu übertragen und den russischen Typus der Räterepublik durchzusetzen. Der Deutsche Rätekongress (16.-21.Dezember, Berlin) sprach sich allerdings für den westlichen Typus der parlamentarischen Demokratie aus.

Es kam also zum Austritt der USPD aus dem Rat der Volksbeauftragten und zur Gründung der Revolutionären Kommunistischen Arbeiterpartei (später KPD) unter Führung von Karl Liebknecht (1871-1919) und Rosa Luxemburg (1870-1919).

Mehrheitssozialdemokratische Partei Deutschlands (oder auch „Mehrheits-SPD“) (abgekürzt: MSPD) - die Bezeichnung für die Sozialdemokratische Partei Deutschlands (SPD) zwischen 1917 und 1919. Dieser Name wurde benutzt, um sich von der Unabhängigen Sozialdemokratischen Partei Deutschlands (abgekürzt: USPD) abzugrenzen. Die kriegsgegnerische USPD hat sich 1917 von der SPD abgespalten.

 

Der Versuch der Kommunisten und linken Sozialisten wieder an Einfluss zu gewinnen scheiterte. Der von ihnen organisierte Generalstreik und der Straßenkampf in Berlin wurden gewaltig niedergeschlagen, die kommunistischen Anführer R. Luxemburg and K. Liebknecht ermordet. Durch die Freikorpsverbändewurde die Ordnung wiederhergestellt. Alle weiteren Versuche, sozialistische Räterepubliken in Deutschland zu gründen, erlebten die Niederlage.

Freikorpsverbände pl od. Freikorps pl – militärische Einheiten, die vom Rat der Volksbeauftragten aus der Masse der heimkehrenden Soldaten gebildet wurden. Das waren zuverlässige Truppen der Regierung in der Weimarer Republik, auch „Bluthunde der Revolution“ genannt.

 

Am 19. Januar 1918 wurde die Nationalversammlung gewählt. Sie trat nicht im unruhigen Berlin, sondern in Weimar zusammen und wählte Friedrich Ebert zum Reichspräsidenten und Philipp Scheidemann (1865-1919) zum Reichskanzler. Nach der Weimarer Verfassung war das Deutsche Reich eine parlamentarische Demokratie. Sie sah allerdings einen starken Reichspräsidenten als Ersatzkaiser vor und konnte durch eine qualifizierte Mehrheit vollständig geändert werden.

Am 28. Juni 1918 musste Deutschland im Versailler Vertrag zahlreiche Gebiete abtreten* sowie seine Kolonien dem Völkerbund unterstellen. Die Vereinigung Deutschlands mit Österreich wurde untersagt. Deutschland und seinen Verbündeten wurde die alleinige Kriegsschuld gegeben und es wurden Reparationsforderungen gestellt. Das Saarland wurde dem Völkerbund unterstellt und das Rheinland wurde entmilitarisiert. Außerdem gab es massive Beschränkungen für die deutsche Armee. Das Ausbleiben von demokratischen Reformen in Militär, Justiz und Verwaltung, der als Schanddiktat empfundene Versailler Vertrag und die Dolchstoßlegende waren ein schweres Erbe für den neuen deutschen Staat.

Der Völkerbundwar eine Internationale Organisation mit Sitz in Genf (Schweiz). Er nahm 1920, kurz nach Ende des Ersten Weltkrieges, seine Arbeit auf, um den Frieden dauerhaft zu sichern. Nach dem 2. Weltkrieg 1946 wurde er aufgelöst.

 

Als Dolchstoßlegendewurdeeine in der deutschen Presse verbreitete Behauptung bezeichnet, nach der die deutsche Armee nicht durch gegnerische Truppen besiegt wurde, sondern durch Verrat und Revolution in der Heimat „von hinten erdolcht“.

 

1920 kam es zum Putsch, als militante Freikorpsverbände an sich die Regierungsgewalt reißen wollten. Zwar erwies sich der Putsch als Fehlschlag, er zeigte aber, wie instabil die Lage in der Republik war.

Während die innenpolitischen Anspannungen anhielten und die extremen Parteien in den Vordergrund traten, schien die außenpolitische Situation sich zum besseren zu verändern. Die territorialen Fragen wurden bereits gelöst, der Vertrag von Rapallo mit Sowjetrussland bedeutete eine erfolgreiche Durchbrechung der Isolation Deutschlands.

Der Vertrag von Rapallowurde am 16. April 1922 zwischen Deutschland und Russland geschlossen. Die Außenminister Rathenau (deutsch) und Tschitscherin (russisch) vereinbarten Verzicht auf Reparationszahlungen und die Wiederaufnahme diplomatischer Beziehungen.

Da brach die Krise 1923 aus. Frankreich und Belgien erklärten, Deutschland habe die Reparationsverpflichtungen nicht eingehalten*, und besetzten das Ruhrgebiet. Mit Unterstützung der Gewerkschaften und aller Parteien begann die allgemeine Arbeitsverweigerung, die durch die Staatsgeldzuweisungen* in Höhe von 40 Mio. Goldmark täglich ausgeglichen wurde. Solche Kosten überstiegen die Leistungsfähigkeiten des Reiches. Es kam zu einer rapiden Inflation, die Lage wurde erst in einem Jahr durch eine Währungsreform stabilisiert.

Ab 1924 zeichnete sich die Phase einer relativen Stabilität ab. Dank den amerikanischen Krediten erlebte die Wirtschaft einen gewissen Aufstieg*, die Sozialgesetzgebung wurde verbessert, die französische Regierung betrieb die Politik der Annäherung und Deutschland wurde in den Völkerbund aufgenommen.

Die Weltwirtschaftskrise, die in den USA 1929 ausbrach und in die auch Deutschland hineingezogen wurde, leitete das Ende der Weimarer Republik ein. Die Zahl der Arbeitslosen nahm zu und erreichte 1931 5,6 Mio. (etwa 30 % der Arbeitstätigen). Während das Vertrauen der Bevölkerung zur zentristischen Regierung schwand, wuchs die Popularität der extremen Parteien. Es bewiesen die Resultate der Reichspräsidentenwahlen 1932, als der damalige Reichspräsident Hindenburg mit 19,4 Mio. Stimmen siegte. Für den NSDAP - Führer Adolf Hitler votierten aber 13,4 Mio. Menschen. Bei den Reichstagswahlen in demselben Jahr wurde die NSDAP die stärkste Fraktion. Und im Januar 1933 trat Adolf Hitler als von Hindenburg berufener Reichskanzler sein Amt an*.

NSDAP f - die Nationalsozialistische Deutsche Arbeiterpartei ging aus der Deutschen Arbeiterpartei (DAP) durch deren Umbenennung im Jahre 1920 hervor. Bis zu den Reichstagswahlen 1928 war die NSDAP nur eine von mehreren antisemitisch-völkischen Parteien. Zur Zeit des Nationalsozialismus von 1933 bis 1945 war sie die einzige in Deutschland bestehende politische Partei.
  Fragen und Aufgaben
  1. Erzählen Sie über die Geschichte der Weimarer Republik.
  2. Äußern Sie Ihre Meinung: Wie war es möglich, dass die NSDAP zur stärksten Partei im Staat wurde?
 

 


Date: 2015-12-11; view: 223


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Der Erste Weltkrieg | Das kulturelle Leben in der Zeit zwischen den Weltkriegen
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